Weidigschule Butzbach
Kunst-Projekt "Galerie 511"


 

 



 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Hubert Soltau: Die Dinge sollen nicht so direkt daherkommen

Begründer der Galerie 511 der Weidigschule stellt an ehemaliger Wirkungsstätte Werke aus

 


BUTZBACH. Hubert Soltau, Initiator der Galerie 511 der Weidigschule, zeigt derzeit Werke an seiner früheren Wirkungsstätte.

 

BUTZBACH (pi). Zwei Fakten genügen, um die 26. Vernissage als Unikat - im Sinne der Einzigartigkeit - zu bezeichnen: Der Gründer der Galerie 511, Hubert Soltau, kehrt als Künstler der Ausstellung zurück, und mehr als 100 Gäste, mehr als je zuvor, kommen, schauen, hören zu, vertiefen sich in Gespräche, nähern sich den Zeichnungen und wollen sie verstehen.

Dies gelingt, weil der ungezwungene Ablauf des Abends bereits vor den offiziellen Worten und dem Gesprächsteil Zeit lässt, die 52 Zeichnungen zu betrachten. Es gelingt ferner, weil das Kernstück der Vernissage, das offene, aber gut vorbereitete Gespräch mit der AG 511 - acht Schülern - strukturiert, locker, aber akademisch im besten Sinne verläuft und weil mit erweitertem und wissenderem Blick der erneute Rundgang und das Gespräch über die Kunstwerke verstehenden Zugang schafft.

Auch dieser Ablauf der Vernissage mit der Befragung des Künstlers als Kernstück des Ereignisses und Zugang zum Werk ist Soltaus Erfindung und sie ist angewandte Kunstdidaktik, mit der er als langjähriger Kunsterzieher der Weidigschule wirkte. Soltaus künstlerische Vorgehensweise erschließt sich zunächst schnell. Ausschnitte aus Fotos sind sein Ausgangsmaterial.

"Die Dinge sollen nicht so direkt daher kommen." Dieser Satz ist vielleicht der Schlüssel zum Weg und Ziel des Künstlers, der ein Foto aus der Tagespresse - "das Gegenständliche zieht mich an" - dann auswählt, wenn es ein bestürzendes Ereignis dokumentiert und es ihn selbst sehr berührt. Mit der Wahl seines Ausschnitts und mit seiner grandiosen Zeichentechnik verschiedenster Schraffuren, Licht-Schatten-Kontrasten und Abstufungen, die dem Schwarz-Weiß-Spektrum mit akribischem Realismus allergrößte Differenzierung entlocken, zeigt er einen Schauplatz, einen Menschen, einen Gegenstand des Schreckens, der sich - im Gegensatz zur fotografischen Vorlage - erst langsam entfaltet, aber nachhaltig bleibt.

Als Beispiel nennt Soltau die Zeichnung des Kap Arkona auf Rügen nach einem DPA-Foto vom 28. Dezember, Schauplatz des am 26. Dezember tragisch verschütteten Mädchens. Als zeichnerisches Sujet ist es natürlich ästhetisch "vorbelastet" durch Caspar David Friedrichs Rügen-Bilder, woraus sich ein schmerzhafter Kontrast schon vor dem Sehen aufbaut. Während das Foto den Ort des Kreideabsturzes und der Verschüttung des Kindes mit den Suchgeräten abbildete, reduziert Soltau den Küstenausschnitt auf sein natürliches Erscheinungsbild, das das Grauen nur ahnen lässt im grauschwarzen Geröll, das im Wasser sich verflüchtigt. Nur die unwissende Frage: Warum wählt er diesen ganz unspektakulären Ausschnitt? - führt hin zum Tod des Mädchens, verweist unaufdringlich auf den Verlust eines Lebens.

So sind sowohl aktuelle als auch historische und biografische Fotos das Material seiner "zeichnerischen Erkundungen" - so Lühr Grolle in seinem erhellenden Essay zu Soltau im Katalog.

Der Künstler Hubert Soltau, geboren 1941 in Gießen, Studium der Kunstpädagogik, Kunstgeschichte und Geographie in Mainz, Kunsterzieher an der Weidigschule bis 2007, diverse Lehraufträge an den Universitäten Gießen und Marburg, Gründungsmitglied des Projekts "Kunst im Strafvollzug" der JVA Butzbach, Ausstellungen in Köln, Marburg, Gießen, Butzbach. Alle gezeigten Zeichnungen stammen aus den Jahren 2010 bis 2012 und einige sind seine Antworten auf die Frage: "Womit überleben?", so Soltau.

Die Rituale der Vernissage - Begrüßung durch Schulleiter Andreas Schönemund, der Soltau herzlich begrüßte. Vorstellung des Künstlers durch die Galerieleitem Gudrun Salz. Schließlich die Begrüßungsworte des Künstlers selbst, der fast nach Worten sucht, um seine Freude und sein Glück auszudrücken über die Anwesenheit der "wahnsinnig" vielen Weggefährten, Kollegen, Schüler, Eltern, Ehemaligen, Kenner und Interessierten.

Acht Schüler der Galerie 511 haben zusammen mit Gudrun Salz in professioneller Vorbereitung die Auswahl, die Hängung der 52 Zeichnungen, die Organisation, die Vernissage gemeistert: Die Ausstellung ist bis zum 17. Juni zu sehen, montags bis freitags in den Unterrichtspausen (9.15 bis 9.35 Uhr, 11.00 bis 11.30 Uhr), an den Sonntagen von 15.00 bis 18.00 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Galerie511@web. de oder Tel. 06033/91170.

(c) by Butzbacher Zeitung, 06.06.2012


 

 Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Unangenehme Ereignisse, ohne dem Betrachter Schreckliches zu offenbaren«

Galerie 511 der Weidigschule: Bilder von Hubert Soltau / Vernissage am Donnerstag, 31. Mai

 


BUTZBACH. Der ehemalige Kunstlehrer der Weidigschule, Hubert soltau, zeigt ab dem kommenden Donnerstag Werke in der Galerie 511.

 

BUTZBACH (pi). Der Künstler Hubert Soltau, ehemaliger Kunstlehrer an der Weidigschule und Mitarbeiter des Kunstprojekts der JVA Butzbach, stellt vom 31. Mai bis 17. Juni in der Galerie 511 in der Weidigschule Butzbach aus. Soltau selbst hat die Galerie 511 im Jahr 1998 gegründet und bis zu seiner Pensionierung 2007 geleitet. Die Galerie 511 freut sich nun, verschiedene Serien von Zeichnungen des Künstlers zu präsentieren.

Schon einmal. im Jahr 2007, war Soltau an der Entstehung von Ausstellungsobjekten in der Galerie 511 beteiligt. Unter dem Namen "Kunst-Freiheit im Knast" wurden Werke von Gefangenen der JVA Butzbach gezeigt. Diese waren in Kunstkursen, unter anderem unter der Leitung von Hubert Soltau entstanden, welche im Rahmen des Projektes "Kunst im Strafvollzug" ausgestellt wurden. Soltaus eigene Zeichnungen sind größtenteils politisch, jedoch leise und gar behutsam in ihrer Aussage. Eine Eigenschaft haben jedoch alle seine Bilder gemeinsam: Sie dokumentieren ein Ereignis. Dieses kann einen politischen Hintergrund haben oder aus dem Privatleben des Künstlers stammen, stets wird ein besonderer Moment festgehalten.

Hubert Soltaus Zeichentechnik wirkt vollkommen bis ins Detail. Die Bilder offenbaren eine große Genauigkeit der zeichnerischen Untersuchung, abgebildeter Gegenstände und Situationen. Sie sind mit Kugelschreiber oder dünnem Filzstift ausgeführt, so dass Korrekturen während des Arbeitsprozesses nicht möglich sind. Die Farbigkeit der Bilder ist meist auf Schwarz-Weiß reduziert. Die Schärfe der Zeichnungen, die durch Soltaus präzise und detailreiche Darstellung entsteht, verleiht den Bildern eine absolute Klarheit.

Thematisch wählt Hubert Soltau für seine Bilder Ausschnitte aus Pressefotos oder Fotos aus seiner eigenen Kindheit. Diese Bilder überträgt er nicht Eins zu Eins, sondern lässt Details des Originals verschwinden oder benutzt einen anderen Ausschnitt. Diese Veränderungen erschweren es dem Betrachter, die ursprünglichen Hintergründe zu erschließen. Soltaus Bilder konfrontieren den Betrachter mit teils unangenehmen Ereignissen, ohne uns dabei das Schreckliche sofort zu offenbaren.

Die Galerie 511 lädt herzlich dazu ein, sich auf Rätselsuche bei der Eröffnung am 31. Mai um 19.00 Uhr zu begeben, die Zeichnungen im Original zu bewundern und in gemeinsamen Gesprächen mehr über die Bilder und den Künstler zu erfahren. Die Ausstellung wird vom 31. Mai bis 17. Juni zu sehen sein. Geöffnet ist sie montags bis freitags während der Unterrichtspausen, an den Sonntagen von 15.00 - 18.00 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Galerie511@web.de oder Tel. 06033/91170.

(c) by Butzbacher Zeitung, 26.05.2012


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