Weidigschule Butzbach

Kunst-Projekt "Galerie 511"




 

 

 

 


Bilder zur Ausstellung:

 

 

 

 

 

 


 

 Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Rätselhaftes in der Galerie 511

Weidig-Gymnasium stellt Werke des Künstlers Martin Schilken aus

BUTZBACH (pp). Seit 1998 gibt es die "Galerie 511" im Butzbacher Weidig-Gymnasium. Eine Arbeitsgemeinschaft von Schülern zeigt im Raum 511 der Schule regelmäßig Werke zeitgenössischer Künstler. Vom 30. Januar bis zum 15. Februar ist dort die Ausstellung des Künstlers Martin Schilken unter dem Titel "In die Mulde meiner Stummheit leg ein Wort" zu sehen.

Schilkens Arbeiten befassen sich mit den Zusammenhängen von Begriffen, Worten, Zeichen und Bildern. In streng aufgebauten Werken finden sich Bildfragmente, oder Textzeichen, die Rätsel aufgeben und assoziieren lassen. In der Ausstellung sind großformatige Gemälde, hölzerne Wandobjekte und Zeichnungen in Mischtechnik zu sehen.

Der Titel der Ausstellung basiert auf einem Zitat von Ingeborg Bachmann. Der Düsseldorfer Künstler Schilken spielt unter diesem Begriff mit Buchstaben und Symmetrien, so dass jedes seiner Bilder eine eigene Bedeutung bekommt, die der Betrachter aber zunächst entschlüsseln muss.

Die Eröffnung findet am Freitag, 30. Januar, um 19 Uhr statt. Der Künstler wird persönlich vor Ort sein und steht für Gespräche zur Verfügung. Die Galerie 511 hat während der Unterrichtspausen sowie sonntags von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel.: 06033/91170 sowie per E-Mail unter galerie511 @web de geöffnet.

(c) by Butzbacher Zeitung, 24.01.2009


 Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

"Ich bin ein Grenzgänger ..."

Martin Schilkens Bilder in der Galerie 511 im Weidig-Gymnasium

BUTZBACH. Gudrun Salz, Martin Schilken und die "AG 511"des Weidig-Gymnasiums (Bild oben). Unten Martin Schilken vor einem großen Schmetterlingsbild.
Hans-Joachim Müller

BUTZBACH. Wie in den vergangenen Jahren hat sich die AG "Galerie 511" am Weidiggymnasium einen Künstler eingeladen, der für Neues, meist Ungewöhnliches steht und nicht auf Anhieb "konsumierbar" ist. Martin Schilken, 1958 geboren, Studium an den Kunstakademien in Münster und Düsseldorf, zuletzt Meisterschüler von Prof. Christian Megert (der als nächster ausstellen wird), beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der Wechselwirkung von Bildern, vorzüglich Schmetterlingen und menschlichen Gehirnen, und Buchstaben, überwiegend Schriftrelikten. Das Thema ist nicht neu, auch nicht abwegig, ist es doch reizvoll, den Beziehungen von Wörtern, die etwas im zeitlichen Ablauf mitteilen, und Bildern, die schlagartig das Ganze präsentieren, nachzugehen. Jeder spricht bzw. schreibt, jeder sieht. Und zwischen diesen beiden Entäußerungen gibt es vielfache, osmotische Beziehungen.

Schon der tschechische Schriftsteller und Künstler Jiri Kolár hat Gegenstände, auf der Fläche und auch räumlich, mit Schrift, lesbar und zusammenhängend, gestaltet. Er schuf Collagen und verwendete Textfragmente, mit denen er auch Objekte überzog. Reproduktionen von Werken alter Meister transformierte er in neue Zusammenhänge, indem er sie in Streifen zerschnitt, die er, leicht verschoben und dadurch verzerrt, wieder zusammenfügt. Josua Reichert, Grieshaber-Schüler, adelt in seinen sich über Jahrzehnte erstreckenden Werken einzelne Buchstaben (aber auch ganze Texte) bildfüllend in farbigen Holzschnitten. Für ihn sind der Buchstabe, das Wort Sinnträger, an denen sich Formphantasien entzünden. Es entstanden Stempeldrucke, Gedichte farbig und übereinander gedruckt, eine ganze "Poesia Typographica". Vielfache Variationen, Kompositionen, aber keine Zerstörung. - Ähnliches im Werk seines Lehrers, des Holzschneiders HAP Grieshaber. - Und Paul Flora erfand wundervolle, zarte, minimalisierte Buchstabenbilder, zauberte riesige Flächen, Bäume, Wiesen, aus tausenden winziger Buchstaben. - Horst Janssen integrierte gern Schrift, seine Schrift, in seine Bilder. 

Doch nun Martin Schilken: Im Ausstellungsraum der Galerie 511 fällt der Blick des Besuchers zunächst auf 22 kleine Bilder, unterschiedlich gerahmt, angeordnet wie eine Installation, ausnahmslos mit einem Schmetterlings-Motiv, die auf dem Boden liegen. Eine reizvolle Konfrontationsform für den Betrachter. Gerade hatte ich in der Nay-Ausstellung in der Schirn die Reproduktion einer Bilderhängung gesehen, wie sie auf der documenta III präsentiert wurde: drei 4x4m große stark farbige Bilder, jedes 150 kg schwer, hingen von der Decke herab und ergaben ein völlig neues, bei Bildern ungewohntes Präsentationsexperiment. In der Schilken-Ausstellung hängen an den Wänden mehrere Bilder mit Schmetterlingen und menschlichen Gehirnen. In alle diese Darstellungen sind Buchstabenrelikte, unentzifferbar, integriert, bei den Gehirnen Schmetterlinge. An der Stirnseite des Raumes das große Schmetterlingsbild mit zwei Wörtern, an lateinische Buchstaben erinnernd, über das Motiv gelegt. Es ziert die Einladungskarte. Die auf dem Boden liegenden Bilder sind weder Radierungen noch Litographien, also keine Graphiken. Sie sind Produkt eines Verfahrens, das Schilken erfunden hat. Er legt auf Papier eine Vorzeichnung an, bedeckt dann dieses Blatt mit einer Folie, mit der Klebeseite nach oben. Darauf streut er Graphitpulver und verteilt es mit einem Staubpinsel über der durchscheinenden Zeichnung. Darüber wird Büttenpapier, gelegt und mit einer Gummiwalze fixiert. Beim Abziehen des Blattes erhält er den fertigen Abdruck. Diese Arbeiten nennt er Zeichnungen.

Auf der Vernissage stellten die zahlreichen Anwesenden, darunter acht Schüler und Schülerinnen der Kunst-AG, Fragen, vor allem zu dem nicht ohne weiteres Entschlüsselbaren der ausgestellten Werke. Zum Schmetterlings-Motiv sagte Schilken: "Die Falter tragen meine Zeichnungen in die Welt". Zur bevorzugten Farbe Schwarz meinte er, Schwarz sei die Summe aller Farben. Bekanntlich setzen manche Künstler, wie Gotthard Graubner und der Darmstädter Bruno Erdmann, auf Weiß mit allen seinen möglichen Abstufungen.

Die Wörter, Buchstaben, alle nur bruchstückhaft in die Darstellungen integriert, sollen daran erinnern, dass hinter allen Bildern auch die Sprache steht. Außerdem sind sie ästhetische Elemente, zudem rätselhaft und auch nicht unbedingt auflösbar (manche mit Nachhilfe durch den Künstler). Diese Zeichen stehen für sich, sie sind der lateinischen Schrift entlehnt, haben keine Bedeutung, sie sind nicht sprechbar.

Vieles, beinahe alles, was er künstlerisch schafft, ist dem Zufall entsprungen und somit auch bis zu einem gewissen Grade beliebig. Das sieht Schilken nicht als Vorwurf, sondem kontert mit den Worten: "Wenn ich das nicht mache, macht es  k e i n e r." Quelle seiner Einfälle ist ein großes Konvolut von Zeitungsausschnitten, die er eingescannt hat und deren er sich je nach Absicht oder Zufall bedient. Ähnliches gilt für den Maler Heribert C. Ottersbach, über dessen Ausstellungen im Sinclairhaus und auf der Mathildenhöhe wir berichtet haben. Er benutzt einen umfangreichen Bild-Fundus , darunter auch eigene Fotografien, und bearbeitet die Motive und Bildelemente am Computer, bevor er sie auf die Leinwand malt.

DerAusstellungstitel "In die Mulde meiner Stummheit leg ein Wort" entstammt einem Gedicht von Ingeborg Bachmann,das seiner Gestaltungsart, "ein Wort irgendwohin zu legen", nahe komme.

Zusammengefasst, sei der Künstler selbst zitiert: "Zwar bewege ich mich im Reich der Bilder, doch immer nah genug der Grenze zum Reich der Sprache, Von dort höre ich die Worte, und dort sehe ich die Wörter. Immer wieder begebe ich mich hinüber, nehme ein Wort oder auch mehrere, 'schiebe' sie in meine Werke und dort hin und her. Dann geraten sie zuweilen unter die Bilder und sind gerade noch zu sehen.

Manches Mal aber schieben sich die Wörter auch übereinander und so ergeben sich neue Zeichen neben den Bildern. Und die Bilder deuten die Zeichen, und die Zeichen deuten die Bilder".

Eine interessante Ausstellung, denn wie schon die vorangegangenen präsentiert sie einen Künstler mit seiner Art von Kunst, die modern ist, aus dem Rahmen fällt und das Kaleidoskop der bisherigen Präsentationen um eine bisher noch nicht gesehene Variante bereichert. Die AG unter der Leitung vorn Gudrun Salz, hat sich selbst, dem Künstler"den Schülern, der ganzen Schule (dank deren verlässlicher Unterstützung}und unserer Stadt ein schönes Geschenk gemacht. Schilken: "Butzbach ist jetzt für mich die Mitte der Welt, weil hier so etwas stattfindet". Bis 15.2.2009, Mo.-Fr in den Unterrichtspausen, So. 15-18 Uhr, Tel. 06033/91170.

Hans-Joachim Müller

(c) by Butzbacher Zeitung, 04.02.2009


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