Weidigschule Butzbach

Kunst-Projekt "Galerie 511"


 


Weitere interessante Informationen zu den beiden Künstlern und deren Werke finden Sie im Internet unter

www.extraktnetz.net/


 

Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Ab heute "Große Pause"- Ausstellung in Galerie 511

Arbeiten von Ingke Günther und Jörg Wagner

BUTZBACH (pe). Hinter der "Galerie 511/Galerie für zeitgenössische Kunst" verbirgt sich eine Oberstufen-Arbeitsgemeinschaft der Weidigschule, in der sich zur Zeit vier kunstbegeisterte Oberstufenschülerinnen mit ihrem Kunstlehrer Hubert Soltau über Themen zeitgenössischer Kunst auseinandersetzen, und das ganz praktisch: Sie besuchen Künstler in ihrem Atelier, um ihre Werke vor Ort kennen zu lernen und in ausführlichen Gesprächen von den Künstlern selbst zu erfahren, wie sie zur Kunst kamen, was ihre Themen und Arbeitsverhalten sind, was eine künstlerische Existenz ausmacht und Vieles mehr. Diese Atelierbesuche finden in lockerer Atmosphäre statt und nehmen den Schülerinnen die Schwellenangst. Mit einigen dieser KünstlerInnen findet dann in der Schule eine knapp dreiwöchige Ausstellung statt.

Die Entscheidung, wer das diesmal sein sollte, fiel schnell auf das Künstlerehepaar Ingke Günther und Jörg Wagner, die durch alltagsbezogene Aktionen bekannt geworden sind, bei denen sie das Publikum auf eine liebenswerte Weise mit einbeziehen.

Wie der Titel "Große Pause" verrät, wird diese Ausstellung sich auch mit Schule befassen. Unter Anderem werden Collagen, Fotografien und Stickarbeiten gezeigt. Das wäre aber keine typische Ausstellung von Günther und Wagner, wenn es nicht Überraschungen gäbe. Mehr sei jedoch nicht verraten.

Jeder Kunstinteressierte ist herzlich eingeladen selber zu sehen. Eröffnung ist am heutigen Dienstag um 19.00 Uhr in Anwesenheit der Künstler in der Weidigschule. Öffnungszeiten der Ausstellung sind von 30.1. bis 18.2., donnerstags 18.00 bis 20.00 Uhr; sonntags 15.00 bis 18.00 Uhr, in den Unterrichtspausen und nach telefonischer Vereinbarung (Tel. 06033/91170). Weitere Informationen zu den Künstlern unter www.extraktnetz.net.

(c) Butzbacher Zeitung, 30.01.2007


 Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Alltagskunst in der Weidigschule

Ausstellung "Große Pause" in der Galerie 511 eröffnet

 


BUTZBACH. "Große Pause" heißt die Ausstellung von "Alltagskunst", die zurzeit die beiden Künstler Ingke Günther (l.) und Jörg Wagner in der Galerie 511 der Weidigschule präsentieren.

 

BUTZBACH. Für Überraschungen immer gut - dieses Aha-Erlebnis zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellungen der Galerie 511 der Weidigschule Butzbach. Erfinder und Initiator dieser Kunstausstellungen in der Schule ist der Kunstpädagoge Hubert Soltau, der zweimal jährlich mit Schülern der Stufe 11 Künstler einlädt und deren Werke für die Schule und die Öffentlichkeit drei Wochen lang ausstellt. Was sehen wir bis zum 18.2.07 in der Galerie 511? Zunächst keinen Augenschmaus und auch keine rätselvollen oder seelenlosen Objekte, nein, was es zu sehen gibt, kommt manch einem näher, als ihm lieb ist. "Alltagskunst" heißt hier zweifellos: der zweite und dritte Blick auf das Alltägliche und Gewöhnliche, womit wir uns äußern und umgeben.

Harmlos, schön ordentlich und mit biedermeierlicher Reinlichkeit kommen sie daher, einzeln auf kostbares Büttenpapier gestickt in zarten Rottönen - derbe, heftige, vulgäre und gemeine Schimpfworte, zierlich festgehalten in liebevoller Stickerei, an die Wand geheftet, in Klarsichtfolie zum Anfassen. Ja natürlich kennt jeder dieses Inventar und wer hat nicht sein Lieblings-Schimpfwort dabei? Ingke Günther hat sie gesammelt, hunderte alphabetisch aufgelistet, etliche mitgebracht; alle zum Bestellen!

Unwillkürlich stellt sich die Frage: Was geht in ihr vor, wenn sie einem solchen Wort stundenlang ihre Arbeit widmet, es "richtig schön" auf das edle Papier stickt? Die Künstlerin äußert sich vorsichtig, reflektiert über weibliche Ästhetik, über Schönschrift und Sticken als weibliches Landwerk und den Versuch, dieses als fragwürdig, zu zeigen. In der Tat haben diese DIN-A4-formatigen Blätter eine merkwürdige zwiespältige Wirkung. Angezogen von ihrer perfekten und schönen Wortgestalt versucht man, das Schimpfwort im Wortlaut zu ignorieren - eine heikle, doppelbödige Reaktion, aber im Umgang mit Worten einem jedem von uns bekannt!

Jörg Wagner zeigt das Alltägliche von außen in seinen Fassaden- und Balkonfotos "Hausflächen". Auch hier muss der zweite Blick dem Betrachter den Weg weisen. Was,  nein, wer verbirgt sich hinter den Kakteen, gerafften Vorhängen, Jalousien und Balkondekorationen? Als Sammlung von menschenleeren Fotos sind die Ansichten auf das Flächige und Muster hafte reduziert, wobei die verschiedenen Oberflächen wie graphische Linien wirken. Natürlich tritt auch das musterhafte Wohnen hinter Balkonen, die wie Käfige wirken, in den dritten Blick. Die Suche nach Unterscheidungen führt auf die Fährte von meist weiblichen Entscheidungen für oder gegen Rüschgardinen, Blumenkästen, sparsame oder üppige Dekoration.

Damit äußern die sich auf den Fotos aus gesparten Menschen über ihren Willen, ein Teil von sich "zur Schau" zu stellen. Nein, so der Künstler, ein männlicher Blick sei nicht seine Intention als Fotograf, aber der weibliche Gestaltungswille sei unübersehbar!

Dort der Weg von innen nach außen und der umgekehrte Blick, und hier wieder die. Faszination des Worts, gestaltet auf der Wand "Was Du nicht sagst". Davor sind die beiden Künstler zu sehen. Alltägliche, übliche, dumme Sprüche aufAcrylmalerei mit Markierungspunkten, in Schrift und Farbe ein Inventar an Oberflächlichkeiten auf künstlerisch gestalteter Oberfläche. Witzig und natürlich auch zum Wiedererkennen! Schließlich gibt es noch Stickcollagen zum Aussuchen und Anfassen von Ingke Günther, die Begriffe aus Lebensweisheiten zitieren, verändern, umschnörkeln und zum Aufhorchen verleiten. Schön gestickt!

Natürlich gab es Begrüßung, Dank (Reiner Laasch, Hubert Soltau) und Fragen (Janina Felber, Lisa Metzger, Stephanie Schild, Juliane Bölsche) wie immer - aber als Überraschung ein Pausenbrot für jeden Gast der Vernissage und plötzlich standen alle herum, mampften und redeten wie die Schüler in der "Großen Pause", so der Titel der Ausstellung!

Die beiden Künstler sind knapp vierzig Jahre alt, haben in Gießen und Frankfurt bildende Kunst, Kunstgeschichte und Kunstpädagogik studiert und rücken dem Alltag seit 10 Jahren in verschiedenen Ausstellungen deutschlandweit zu Leibe: Picknick-Kunst, Kioskkunst mit so netten Titeln wie "heute empfehlen wir". Und tatsächlich gab es einen Erfrischungspavillon von Ingke Günther und Jörg Wagner zur Fußball-WM 2006 in Dortmund - "Max hat's"..

Die Pausenbrote sind alle, aber die individuellen Schimpfworte für den Lieblingsfeind sind noch da - 511 hat's!

Weidigschule Galerie 511, donnerstags 18 - 20 Uhr, sonntags 15 -18 Uhr und natürlich in der großen Pause - bis 18. Februar!

Ulrike Krystek-Theissen

(c) Butzbacher Zeitung, 01.02.2007


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