Weidigschule Butzbach

Kunst-Projekt "Galerie 511"


 

 


Fotos vom Aufbau und der Eröffnung der Ausstellung
(fotografiert von Franziska Megert und Gudrun Salz):

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Fotos zur Ausstellung
(fotografiert von Franziska Megert und Gudrun Salz):

 

 

 

 

 

 


 

 Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Christian Megert: "Von ZERO an die Spitze der europäischen Avantgarde

Ausstellung "blick und raum" zurzeit in der Galerie 511 im Weidig-Gymnasium


BUTZBACH. Christian Megert vor seiner Spiegelwand.
Foto: H. J. Müller

BUTZBACH. Ein Ereignis für Butzbach ist die Ausstellung, die zurzeit in der Galerie 511 im Weidig-Gymnasium zu sehen ist: Werke des zur ZERO-Gruppe gehörenden Künstlers Christian Megert unter dem Motto "blick und raum". Die Ausstellung ist montags bis freitags während der Unterrichtspausen und sonntags von 15.00 bis 18.00 Uhr zu besichtigen.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg schlug diegroße Stunde der abstrakten Kunst, die schon Jahrzehnte früher vorbereitet, sich vielfältig differenzierte und lange die Kunstszene dominierte. Die auch als gegenstandslos bezeichneten Werke der Malerei und Plastik suchten nicht die gegenständliche, objektive Wirklichkeit wiederzugeben, sondern eine eigene Bildwirklichkeit zu kreieren. Die vollständige Abkehr von jeder Naturnachahmung gilt aber nur für einen bestimmten Zweig der abstrakten Kunst, den man "konkret" nannte, eine Bildkonstruktion aus rein geometrischen Elementen. Er wandte sich gegen die nach 1945 aufkommende informelle Kunst, den abstrakten Expressionismus, das Color-Field-Painting und die monochrome Malerei. Der Begriff "konkret" soll deutlich machen, dass man nicht von einem Abstraktionsvorgang ausgeht, sondern dass Linie, Farbe, Fläche, Raum ohne jede Assoziation als autonome künstlerische Mittel eingesetzt werden.

Eine Reihe von Künstlern suchte einen Neuanfang, der sowohl von der Vergangenheit unbelastet sein sollte, als auch als eine Alternative gegen die informelle Malerei gedacht war. Serielle Bildanordnungen, vibrierende Lichtskulpturen und dynamische Raumkonstruktionen rückten in den Mittelpunkt ihrer Werke. Vorbilder waren der Leinwandschlitzer Lucio Fontana, Yves Klein, der Ultramarinblaumeister, der Abdrücke von nackten, mit blauer Farbe bestrichenen Frauenkörpern auf einen Bildträger brachte, und der Schrottkunstmaschinenbauer Jean Tinguely.

1957 gründeten Hinz Mack und Otto Piene die Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO, die bis 1967 bestand. Den beiden galt das Raster als Mittel einer strengen Reihung, einer nicht-manuellen Kunst. Andere Künstler stießen dazu, der bekannteste unter ihnen Günther Uecker. Alle sahen in ZERO ("Null") den Nullpunkt vor einem neuen künstlerischen Beginn. Es gab bei dieser Protestbewegung keine strenge Programmatik, man begann zu experimentieren. Mack entwickelte Lichtimpulse bzw. Lichtvibrationen (über seine Ausstellung in Grießen haben wir berichtet),Yves Klein und Otto Piene kosmische Rauch- und Feuerbilder. In der Farbe Weiß fand man die stärkste Immaterialität. Uecker schuf monochrom weiße Nagelbilder (wir berichteten über seine Ausstellung in Aschaffenburg). Der Umgang mit Licht führt zum Objekt in den Raum, den "Lichtraum". Farbe wird durch unmittelbar auf Licht reagierende und Licht gestaltende Materialien ersetzt.

Die ZERO-Künstler revolutionierten mit ihrer neuen, sehr differenzierten Bild- und Formensprache Ende der fünfziger Jahre die Kunst, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Italien, den Niederlanden und Belgien, ja bis in den ostasiatischen Raum. Sie entwickelten einen Stil, der die Qualitäten des Lichts, der Bewegung und materieller Strukturen als Gestaltungsfaktoren nutzte und sich moderner Technologien bediente. ZERO verdanken wir wichtige Beiträge zur kinetischen und zur Lichtkunst. Später gingen die Künstler eigene Wege, aber überwiegend im Rahmen der konkreten Kunst.

Ein wirkliches Ereignis für Butzbach, für die Galerie-AG am Weidig-Gymnasium ist die Ausstellung eines Künstlers, der ganz früh, 1960, zur ZERO-Gruppe stieß, ein Pionier dieser Bewegung: Christian Megert: 1936 in Bern geboren, 1956 eine erste Ausstellung mit weiß in weiß gemalten Bildern. Aufenthalte in Stockholm, Berlin und Paris folgten. Er schafft monochrome Material- und Strukturbilder, Plastiken aus Eisen und Kunstharz, erstmals Spiegel in Arbeiten als Lichtreflektor. 1960 macht er die Bekanntschaft mit Künstlern der ZERO-Gruppe, entwickelt Bildmontagen mit Spiegeln und Glas als Objekte und Environments. 1961 publizierter sein Manifest "Ein Neuer Raum", ein Aufruf, mit der "Hilfe von Kunst alles Räumliche neu zu überdenken". 1962 organisiert er ZERO-Ausstellungen in der Schweiz, nimmt 1968 an der documenta IV mit zwei Spiegelobjekten und einem Spiegelraum teil. Ab 1974 gestaltet er öffentliche Innenräume und realisiert Großskulpturen aus Stein. Von 1976-2002 ist er Professor am Lehrstuhl für Integration bildender Kunst und Architektur an der Kunstakademie Düsseldorf. Er schafft mehrere Großplastiken, u.a. für das Musikzentrum in Amsterdam, die Stadt Maastricht, die West-LB Wesel, die Bundesgartenschau in Düsseldorf, wo er seit 1973 lebt, das Terrassenschwimmbad Baden, den Bankverein Thun und für die Stadt Vaduz in Liechtenstein.

Wie ich es bei dem mit seriell angeordneten Scheiben arbeitenden Thomas Lenk gesehen habe, besteht nun für viele dieser Künstler die Arbeit im Atelier in der Erarbeitung von Entwürfen und Modellen. Die Herstellung übernehmen Fachleute und Fachwerkstätten, Ingenieurbüros, Metallwerkstätten und Steinmetzbetriebe. Christian Megert allerdings stellt nach wie vor Teile seiner Objekte selbst her. Die wunderbaren Stelen können natürlich hier nicht gezeigt werden. Selbst die großen Einzelskulpturen aus Granit wirken grazil. In den spiegelnden Oberflächen finden sich Licht und Dunkel, Gegenständliches, Abstraktes, Bewegliches des Außenraumes wieder.

Christian Megert thematisiert den Raum in seiner unendlichen Ausdehnung, indem er das Prinzip zweier entgegen gestellter Spiegel zu einer komplexen Installation entwickelt. Der Spiegel ist für ihn die objektivierte Hülle von Realität. Bewundernswert ist seine Vielfältigkeit, was Material, Form und Thema betrifft.

In der Galerie 511 zeigt Megert einen kleinen Ausschnitt seines Schaffens, das, was sich hier ausstellen lässt, überwiegend Collagen und Spiegelkästen. Zu sehen sind eine zwanzigteilige Spiegelwand, Spiegelcollage-Kästen mit runden Elementen, teils mit Spiegeln, teils mit Farbe unterlegt,  sechs kleine Spiegelcollage-Kästen, ein Spiegelbuch-Objekt, ein Spiegelobjekt mit vier verstellbaren Spiegeln. Der Spiegel an sich strahlt Ruhe aus, er ist leer. Erst wenn der Betrachter vor das Objekt tritt, nimmt der Spiegel sein Bild auf und wird so zum Raum. Je nach Neigung reflektiert der bewegliche Spiegel einen anderen Teil des Außenraumes.

Bei der Vernissage am Mittwochabend wurden Fragen nach ZERO und konkreter Kunst gestellt. Megert wies darauf hin; dass sich die Kunst heute, anders als damals, als alles noch überschaubar war, sich aller Medien bedient. Er bejahte eine Frage, dass alle seine Arbeiten zufällig entstanden sind, sich aus den jeweiligen Arbeiten immer wieder neue Ideen entwickeln.

Besonders erwähnen möchte ich den neuesten Ausstellungskatalog von Christian Megert: "Retrospektive Christian Megert" (Kerbet Verlag Bielefeld. 32 Euro), der typografisch besonders kunstvoll bibliophil gestaltet ist und alle Facetten des künstlerischen Schaffens des Künstlers Megert berücksichtigt. In der Ausstellung ist er preiswerter zu beziehen, übrigens auch ein Multiple plus Katalog für 75 Euro.

Gudrun Salz hat mit ihren Schülern ihrem akademischen Lehrer, sich selbst und uns allen ein schönes Geschenk bereitet.

Galerie 511. Weidig-Gymnasium. Mo. - Fr. in den Unterrichtspausen, So. 15.00 -18.00 Uhr.

Hans-Joachim Müller

(c) by Butzbacher Zeitung, 20.06.2009

 


 Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Zero-Künstler Christian Megert in der Galerie 511

Am Mittwoch um 19.00 Uhr in der Weidigschule

BUTZBACH (pi). Die Galerie-AG der Weidigschule, eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft, welche interessierten Schülern die Beschäftigung mit zeitgenössischer Kunst bietet, setzt ihre Ausstellungsreihe mit professionellen Künstlern fort. Vom 17. Juni bis zum 5. Juli ist in der Galerie 511 die Ausstellung des Künstlers Christian Megert unter dem Titel "Blick + Raum" zu sehen. Christian Megert ist Mitglied bei 'Zero', einer avantgardistischen Künstlergruppe, die 1957 in Düsseldorf gegründet wurde.

So wie auch die anderen Mitglieder der Gruppe suchte Megert eine neue Einfachheit und Klarheit in der Kunst und wandte sich der Einfarbigkeit und seriellen Strukturen zu. Seine Suche nach neuen Form- und Ausdrucksmitteln führte ihn stets vom reduzierten Ursprung aus. Megerts Arbeiten befassen sich mit Darstellungsmöglichkeiten raumgebundener Situationen und ihrer Definition. Typisch für ihn sind seine Spiegel-Collagen. So hat er als Teilnehmer der Documenta IV eine begehbare Spiegel-Installation gezeigt. Der Spiegel, mit seinen raumöffnenden, raumzerlegenden, raumerweiternden und raumverändernden Eigenschaften wird zum zentralen Thema des Künstlers.

In der Ausstellung der Galerie 511 ist neben Collagen und Multipies eine große Installation zu sehen, welche sich damit befasst. Ein Besuch in der Galerie bietet die einmalige Gelegenheit, einen der großen Zero-Künstler hier in Butzbach ganz nah zu erleben. Die Eröffnung findet am Mittwoch, 17. Juni, um 19.00 Uhr in der Weidigschule statt. Der Künstler wird persönlich anwesend sein und steht für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Die Galerie 511 hat während der Unterrichtspausen sowie sonntags von 15.00-18.00 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel.: 06033/ 91170 oder per E-Mail unter galerie@511web.de geöffnet.

(c) by Butzbacher Zeitung, 15.06.2009


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