Butzbacher Zeitung, 11. Juli 1998

Selbstportraits von Schülern

Zweite Ausstellung der neuen "Galerie 511" der Weidigschule

BUTZBACH (pe). Die erste Ausstellung der neuen „Galerie 511" der Weidigschule wurde erfolgreich beendet. Zu sehen waren Farbradierungen des Oberurseler Künstlers Norbert Cloß. Noch vor den Sommerferien findet eine zweite Ausstellung, allerdings in etwas kleinerem Rahmen, statt. Vom 10. bis 14. Juli sind großformatige Selbstportraits von Weidigschülerlnnen zu sehen, die in der „KunstAG Malen" im Laufe der letzten zwei Jahre entstanden sind. Die Ausstellung ist vormittags während der Unterrichtszeit geöffnet. Am Dienstag, 14. Juli, findet am Nachmittag das Schultest der Weidigschule statt. In dieser Zeit sind alle Interessierten recht herzlich eingeladen, die Portraits zu besichtigen.

Die Einrichtung der „Schulgalerie" wurde vor allem durch tatkräftige Hilfe und Unterstützung von Firmen und Privatpersonen ermöglicht, insbesondere durch den Förderverein der Weidigschule, vertreten durch seine Vorstandsmitglieder und den ersten Vorsitzenden, Simaii. Dafür möchten sich die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Lehrer besonders bedanken. Durch diese gemeinsame Arbeit konnte ein weiterer Schritt getan werden, das Profil der Weidigschule kulturell zu erweitern. Zur zweiten Ausstellung gab Dr. Antje Syfuß unter dem Motto „Sich malen heißt sich finden" folgende Einführung:

„In der zweiten Ausstellung in der Galerie 511 in der Weidigschule zeigen Schüler und Schülerinnen ihre Selbstportraits, die sie in der Mal-AG unter der Anleitung des Kunsterziehers Hubert Soltau gemalt haben. Die Besucher der Vernissage - der Firnis war tatsächlich fast noch feucht - waren überrascht von den Ansichten. Dies formulierte auch Schulleiter Rainer Laasch in seiner Begrüßung und dankte den Schülern und Schülerinnen, daß sie ihre Bilder ausstellen. Sein Dank galt aber besonders auch Hubert Soltau, der in dieser Ausstellung ein wichtiges Pendant zu Ausstellungen von Künstlern sieht.

Überraschend ist zunächst die Überlebensgröße der Gesichter, die dem Betrachter mit großem Ernst zugewandt sind, manche in direktem Blick, andere im Halbprofil, jedes in seiner eigenen Neigung des Kopfes und einige auch in auffallender Farbgebung. Nach dem ersten Staunen stellen sich Fragen: Warum wurde diese bestimmte Farbigkeit gewählt? Wie gestaltete sich die Arbeit an den Bildern? Wie erlebten die jungen Leute die Konfrontation mit sich selbst? Wie haben sie es geschafft, an der Arbeit dranzubleiben, die sich über zwei Jahre hinzog?

Auf einiges ging Hubert Soltau in kurzen Erläuterungen ein. Er berichtete von den Anfängen, den Fotos, die die Schüler von sich machten und als Vorlage benutzten. Jeder dieser jungen Menschen mußte entscheiden, wie er mit den Farben des Fotos umgeht, ob z.B. das Gesicht so rosa erscheinen sollte oder nicht oder ob nicht der Pullover doch - ja, die Harmonisierung paßt zu mir - die Farbe des Mundes bekommen sollte. Interessant auch die Gestaltung des Hintergrundes, der ja auch etwas über das Wesen der Person aussagt. Eine Schülerin wählte Schwarz, eine Blumenmotive, ein Schüler ein lichtes Gelb.

Soltau erwähnte auch die Bilder, die jetzt nicht an den Wänden hängen, weil sie - noch nicht fertig sind oder schon vor einiger Zeit abgebrochen oder sogar - ein Bild - in einer Auseinandersetzung zerstört wurden - man möchte Soltau zustimmen: Lieber nimmt das Bild Schaden als die Person. Aber auch das Gegenteil konnte geschehen. Aus dem am Selbstportrait Gelernten entstand etwas Neues. Beim Betrachten des etwas kleinerformatigen Portraits eines jungen Mädchens hat spürbar Amor den Pinsel mit geführt.

Im Gespräch mit den jungen Leuten ist auch etwas über die lange Arbeit an dem Portrait zu hören. Auch wenn man gerne malt, ist es doch sehr schwer, jede Woche zu einem bestimmten Zeitpunkt kreativ zu arbeiten. Und immer muß man sich selber ansehen und dabei über sich selbst nachdenken und sich fragen: Wie will ich mich sehen? Eine Schülerin entschied sich so für Blau. Während der Arbeit reduzierte sie die Palette auf zwei Haupttöne, ohne sich eigentlich Rechenschaft darüber abzulegen, daß sie mit dem Blau einerseits in Traditionen steht und andererseits gerade die Farbe gewählt hat, die die romantische Sehnsucht nach der Ferne der blauen Blume, aber auch die Innerlichkeit der Introvertierten bedeutet. Das Gefühl war klar und kam zu seinem Recht: „Ich wollte es eben blau".

Daß so jeder junge Maler seine eigenen Vorstellungen umsetzen konnte, ohne daß bestimmte Vorgaben wie im Unterricht zu erfüllen waren, gehört wesentlich zu der Konzeption der Mal-AG. Dies macht eigentlich die Begegnung mit sich selbst erst möglich und schenkt uns Betrachtern eine neue Sicht der iungen Menschen..."


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