Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Eine Welt für alle Geschichten

Weidigschülerin Alisa Limberger ist Fantasy-Autorin mit Leidenschaft

Butzbach/Münzenberg (jom).
Wenn Alisa Limberger über das Schreiben spricht, beginnen ihre Augen zu leuchten. Die 18-jährige Nachwuchsautorin aus Münzenberg kann sich ein Leben ohne Geschichten nicht mehr vorstellen — sie begleiten sie, seit sie denken kann. Dabei hat Alisa bewusst die Entscheidung getroffen, das Schreiben nicht zu ihrem Hauptberuf zu machen, um die Leidenschaft dafür nicht zu verlieren.
Die hochgewachsene junge Frau mit den bunten Haaren wirkt zu Beginn des Gespräches schüchtern und zurückhaltend. Doch sobald es um ihre Geschichten geht, taut sie auf und gibt einen tiefen Einblick in ihre selbst erschaffenen Welten. Und davon hat Limberger mit ihren 18 Jahren schon jede Menge. Besonders stolz ist sie auf ihren ersten selbst veröffentlichten Fantasy-Roman »Gebunden an das Leben«.
Hauptfigur des Buches ist Astos, ein 15-jähriger Junge, der nach dem Tod seiner Eltern zu Verwandten ziehen muss, die er noch gar nicht kennt. »In meinem Buch geht es um die Gefühle und Trauer des Protagonisten, und ich hatte Schwierigkeiten, das widerzuspiegeln, da ich Trauer zum Glück noch nie auf diese Weise erfahren musste.« Das erzählt Limberger auf die Frage, worum es in dem Buch geht. Eigentlich wollte Alisa über eine Familie schreiben, die eher in die Mystery-Richtung geht. Doch am Ende verband sie das mit Fantasy und brachte Zauberei mit ins Spiel.
Beim Schreiben greift die 18-Jährige auf eine ganz eigene Welt zurück — eine, die sie selbst erschaffen hat. »Ich wollte mir nicht für jedes Buch eine neue Welt ausdenken, und aus diesem Ansatz heraus habe ich mir einfach eine eigene Welt erschaffen«, erklärt Alisa mit einem kleinen verschmitzten Lächeln.
Eine wichtige Erfahrung, die Limbergers Blick auf das Schreiben verändert, war ihr Praktikum bei der Krimi-Autorin Jule Heck. Heck gab sich sehr viel Mühe, Alisa umfassende Einblicke in die Schriftstellerwelt zu geben, nahm sie mit zu Lesungen und Recherche-Terminen und zeigte ihr, dass Autorin zu sein nicht nur aus dem Schreiben besteht.
Schreiben ohne Druck
Dabei gewann Alisa eine zentrale Erkenntnis: »Ein Buch zu vermarkten, bedeutet weit mehr als nur das Schreiben selbst. Es muss unzählige Male Korrektur gelesen werden, ein passender Verlag muss gefunden werden und vieles mehr.« Das Praktikum war für sie eine besondere Erfahrung, zeigte ihr aber auch, dass man nicht so einfach vom Schreiben leben kann.
Eine weitere wichtige Erkenntnis aus dieser Zeit war für Alisa: »Unter einem Verlag zu schreiben, ist nicht mein Ding. Ich bin der Meinung, dass man unter Druck einfach nicht so gut Geschichten schreiben kann. Das merkt man oft an Trilogien: Das erste Buch ist gut, und danach wird es immer schlechter, weil der Autor nur noch Seiten füllen muss.« Eine sehr klare Meinung, aber kein Grund für Limberger, mit dem Schreiben aufzuhören.
Doch auch ohne Verlagsdruck gibt es Herausforderungen, mit denen sie manchmal kämpft: »Ich schreibe gerne und viel, aber es fällt mir auch oft schwer, etwas zu Ende zu bringen. Manchmal springt der Funke nicht über«, erklärt sie.
Ihr Fantasy-Roman »Gebunden an das Leben« ließ sie dagegen gar nicht mehr los: »Ich habe das Buch im Urlaub geschrieben. Das war auch etwas lustig, denn ich hatte kein Notizbuch oder Tablet dabei und habe alles in mein Handy eingetippt. Danach taten die Daumen ganz schön weh.« Sie schätzt, dass sie damals sechs bis acht Stunden pro Tag damit verbracht hat, die Geschichte rund um Ästos aufzuschreiben.
Zum Glück ist ihre Familie sehr verständnisvoll, wenn Limberger wieder eine Eingebung hat: »Meine Mama nennt es dann liebevoll den ‚Autorenblick(, wenn ich wieder irgendwo sitze, mit Kopfhörern, in die Leere schaue und irgendwas ausgrübele«, sagt sie schmunzelnd. Ihre Mutter ist auch Alisas fleißigste Korrekturleserin: »Meine Mama kriegt eigentlich alle Geschichten zuerst zu lesen und gibt mir immer konstruktives Feedback. Zum Beispiel war der Hauptcharakter in meinem Roman anfangs sehr frech gegenüber seiner Urgroßmutter, dabei passt das gar nicht — da er ihre Anerkennung möchte.« Wie schwierig es ist, ein Buch zu veröffentlichen, hat Limberger mit ihrem ersten Fantasy-Roman »Gebunden an das Leben« schließlich selbst erlebt — insbesondere, wenn man nicht unbedingt unter einem Verlag schreiben möchte. Ihren Roman hat sie in Eigenregie veröffentlicht.
Kreativität trifft auf Informatik
Limberger besucht die 12. Klasse der Weidigschule und wird 2026 Abitur machen. Danach möchte sie Informatik studieren — eine Wahl, die gut zu ihrer kreativen Ader passt: »Ich möchte weiterhin in die kreative Richtung gehen. Ich bin aber auch ein logisch denkender Mensch, und durch mein Schulfach Informatik haben wir beispielsweise Websites programmiert und das hat mir viel Spaß gemacht. Hier kann ich beides vereinen: mein logisches Denken und meine Kreativität.«
Limberger ist sich am Ende des Gespräches sicher, dass Schreiben immer ein Teil von ihr bleiben wird — ob als Autorin oder in einer anderen kreativen Form. Und wer weiß? Vielleicht schreibt sie eines Tages nicht nur Codes in Programmiersprache, sondern auch die nächste große Fantasy-Saga.

INFO
Kurzgeschichte
Wer mehr von der jungen Nachwuchsautorin lesen möchte, kann sich über eine Kurzgeschichte freuen, die am 27. März im Edition Winterwork Verlag erscheint. Bei der Verlags-Anthologie geht es um das Thema »Macht der Magie«.. In Alisas eingereichter Geschichte muss ein Schutzgeist seinen persönlichen Schützling vor Unheil bewahren. Doch der Schutzgeist hat ein Problem: Er hat seinen Beschützerinstinkt noch nicht gefunden.

jom

Butzbacher Zeitung, 22.03.2025

Alisa Limberger aus Münzenberg hat einen Fantasy-Roman veröffentlicht.

FOTO. MAREK