Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

"Das hätten wir sein können!"

 ERINNERUNGEN Projekttag "Kriegsgräberstätte" - Jahrgangsstufe 10 der Weidigschule in Nieder-Weisel 


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BUTZBACH. Die Klasse 10F der Weidigschule Butzbach war betroffen vom jugendlichen Alter vieler Gefallener auf der Kriegsgräberstätte. Text + Foto: amb

BUTZBACH (amb). Im Rahmen des Geschichtsunterrichts absolvierten die Klassen der Jahrgangsstufe zehn der Weidigschule einen Projekttag zum Thema Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg. Bei teils sehr frischen Temperaturen oder Regen starteten die Jugendlichen den ersten Teil des Tages auf der Kriegsgräberstätte Nieder-Weisel. Dort machten  sie sich selbst ein Bild von den Ausmaßen des Krieges und ließen die Gedenkstätte auf sich wirken. Schwarz-weiß betrachtet liegen dort „Täter und Opfer auf einem Friedhof, SS-Offiziere mit KZ-Häftlingen und Unschuldigen“, sagte Judith Sucher vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge – Landesverband Hessen, die den ganzen Tag über die Schüler begleitete. Sie waren besonders vom jungen Alter vieler Toter beeindruckt, als sie feststellten, dass sie selbst in deren Alter sind. Im zweiten Teil der von Geschichtslehrer Steffen Arndt geplanten Tage hieß es, sich in Gruppenarbeit mit verschiedenen Themen auseinanderzusetzen. Einzelschicksalen von fast Gleichaltrigen, Zwangsarbeit in Butzbach und Umgebung, dem Bombenkrieg in Butzbach, sowjetischen Kriegsgefangenen oder der Kriegsstätte aus verschiedenen Perspektiven. Mit Kasernen für Zwangsarbeiter in der Nähe des heutigen Butzbacher Ostbahnhofes und Jugendlichen aus Butzbach und Umgebung, die mit 16 Jahren für den Krieg eingezogen wurden und beim „Volkssturm“ ums Leben kamen, wurde das Thema Nationalsozialismus den Jugendlichen örtlich näher gebracht und verdeutlicht, dass dieser im gesamten Deutschland stattfand. Dazu kam der Aspekt der Gedenkkultur, die auch heute noch ein schwieriges Thema ist. Der Umgang mit „Gräbern von Kriegsverbrechern sei nicht einfach. Doch auch diese Gräber sind durch das Kriegsgräbergesetz staatlich geschützt“, so die Vertreterin des Volksbundes. „Um Angehörige zu schützen, geht man inzwischen dazu über, militärische Ränge auf Grabsteinen zu entfernen.“ Um weiter die Gedenkkultur an den Zweiten Weltkrieg und die vielen Opfer aufrecht zu erhalten, wurden weitere Ideen zu einer zeitgemäßen Erinnerungskultur gesammelt. Am Ende des Tages legte Sucher den Schülern ans Herz, sich mehr mit der Opfer-/Täter-Situation auseinander zu setzen und alles kritisch zu sehen.

(c) by Butzbacher Zeitung, 22.05.2019

 

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