Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Plädoyer: Für Demokratie eintreten

Museum - Weidigschüler gestalten Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Reichsprogromnacht 



gruppenbild
BUTZBACH. Der Leistungskurs Geschichte des Jahrgangs 12 gestaltete die Gedenkveranstaltung am
Samstagabend im Museum (Text + Foto:dt)

BUTZBACH (dt).  Imagine all the people living life in peace.” Es ist eine Zeile aus dem Song und Friedensappell des einstigen, gereiften Beatle John Lennon, der 1980 auf offener Straße in New York einer Gewalttat zum Opfer gefallen war. Der Song war Teil des Programms der Gedenkveranstaltung zur 80. Wiederkehr der Pogromnacht vom 9. November 1938 am Samstag in der vollbesetzten Industriehalle des Butzbacher Museums. Aktiv gestaltet wurde der Abend vom Leistungskurs Geschichte des zwölften Jahrgangs der Weidigschule unter Leitung von Andrea Schreiber-Guth in Zusammenarbeit mit dem Butzbacher Bündnis für Demokratie und Toleranz, federführend durch Pfarrer i. R. Otto Seesemann. Es war eine Veranstaltung, deren besondere Atmosphäre dadurch geprägt war, dass es junge Menschen waren, Schüler, die eindringlich und intensiv thematisch einen Bogen schlugen von der einstigen Pressemeldung der seinerzeit gleichgeschalteten Butzbacher Zeitung über die Ereignisse am 9. November 1938 in der Stadt bis hin zu der heute aktuellen Frage an das zuhörende Publikum: „Sehen Sie unsere Demokratie in Gefahr? Was können wir gemeinsam tun, um sie zu erhalten?“ 
Nach der Begrüßung durch Museumsleiter Dr. Dieter Wolf trug Schülerin Paula Friedrich ein erstes einleitendes Gedicht vor: „… dies alles war möglich in Deutschland.“ Neele Pabst und Victoria Clostermann vom Leistungskurs Geschichte begrüßten die Besucher. Es folgte ein Kurzvortrag mit der Verlesung des genannten BZ-Artikels vom 11. November 1938, eine Darstellung der Ereignisse vom 9. November 1938 deutschlandweit und ein Bericht über die Zerstörung der „Judentempel“, wie die Synagogen verächtlich bezeichnet worden seien, in Butzbach und den Stadtteilen (Sarah Ullner, Wieland Wirth, Ruben Linhart, Agnessa Avdeeva). Aus den Schüler-Berichten ging hervor, dass in der Folge der Pogromnacht in Deutschland 30 000 Juden verschleppt und 400 getötet worden seien. 7000 Haushalte und Geschäfte seien geplündert und zerstört worden; zusätzlich sei „den Juden“ staatlicherseits eine Geldbuße von einer Milliarde Reichsmark auferlegt worden.  Im weiteren Verlauf interpretierten Fabienne Buch, Celine Gerspach und Ben Krappatsch musikalisch vom erhöhten Balkon-Standort über den Besuchern John Lennons „Imagine“, ehe die Schüler Lena Oakley, Benjamin Heerz und Mattis Knoche den Zuhörern vom grausamen Schicksal der jüdischen Butzbacher Familien Löb, Rosenstein und Spiro erzählten. Dabei gingen die Schüler auch besonders auf die Rolle ein, die ihre damaligen Alterskameraden, Jugendliche, in der Pogromnacht gespielt hatten. Mitglieder der HJ und andere junge Leute hätten die Abläufe als „Spaß“ und „fröhliche Gaudi“ gesehen. Im Anschluss trug Luisa Zörb das KZ-Gedicht „Die Hungernde“ vor. Den Bogen zur heutigen Zeit schlugen Jan Niklas Brod und Arwed Reinicke Mora, indem sie auf den Antisemitismus in der derzeitigen Gesellschaft eingingen. „Jeden zweiten Tag“ gebe es in den Medien erschreckende Meldungen über antisemitische Vorfälle. Sie erwähnten die Mordtat in Pittsburgh und berichteten davon, dass die Synagoge in Gießen unlängst unter Polizeischutz gestellt worden sei. Als gewonnene Erkenntnis aus der Arbeit in ihrem Leistungskurs nannten Luisa Zörb und Paula Miquel das  aktive Engagement für das Grundgesetz und die Demokratie. Nach einem weiteren Liedvortrag (Michael Jacksons „Man in the Mirror“) ergab sich eine kurze von den Schülern initiierte Aussprache mit den Zuhörern, ehe Weidigschülerin Paula Friedrich das Gedicht der 13-jährigen KZ-Insassin Ruth Klüger „Der Kamin“ vortrug, in dem von den Verbrennungsöfen die Rede ist: „Siehst du in dem Rauche nicht / Ein verzerrtes Angesicht?“ Bürgermeister Michael Merle dankte im Auftrag des Magistrats und der städtischen Gremien Seesemann vom Bündnis für Demokratie und Toleranz und den Schülern des Leistungskurses: „Ihr habt heute Abend einen entscheidenden Beitrag zu diesem Gedenktag geleistet, ihr habt gezeigt, dass man etwas tun kann. Wir stehen alle in der Verantwortung, dass so etwas nie wieder passieren darf.“ 

(c) by Butzbacher Zeitung, 13.11.2018

 

Zur Artikelübersicht.
Zur Startseite der Homepage der
Weidigschule.