Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Freiheit oder Abhängigkeit?

Komiker Eisi Gulp zu Gast in der Weidigschule mit Bühnenprogramm "Hackedicht"



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BUTZBACH. Mit dem Bühnenprogramm der "Hackedicht"-Präventionstour war Eisi Gulp gestern in der Weidigschule in Aktion, so auch die Schüler, die er gleich zu Beginn in das Thema einbezog. Text + Foto: thg

BUTZBACH (thg). Dass es peinlich ist, vom Alkohol „hackedicht“ zu sein und dass Rauchen nicht mit Freiheit, sondern Abhängigkeit zu tun hat, waren zwei der Hauptbotschaften, die Komiker Eisi Gulp gestern den Schülern der neunten Klassen der Weidigschule vor Augen führte. Die Knappschaft und der Kinderschutzbund brachten den Schauspieler auf die Bühne der Schulmensa. Und vom ersten Moment an zog der Bayer die Schüler mit seinen Breakdance- und weiteren Tanzeinlagen in den Bann.  Bei dem Präventionsprojekt geht es nicht um den erhobenen Zeigefinger, wie die Veranstalter betonen. Die Schüler sollen mit Humor und tiefsinnigen Aussagen, die einander abwechseln, zum Mit- und Nachdenken angeregt werden. Denn der „Genuss“ von Alkohol und anderen Suchtmitteln ist nicht cool, denn das Verhalten oder die Folgen des Konsums sind in Gulps Verständnis peinlich. Unter anderem dafür wollte er den Schülern die Augen öffnen. Schulleiterin Annette Pfannmüller wies darauf hin, dass sich die Schule um den Auftritt beworben hatte. Sie stellte den aktuellen Bezug zum tödlichen Unfall am Wochenende her, als auf der Autobahn 5 ein Kind ums Leben kam, weil eine vermutlich alkoholisierte Autofahrerin ein anderes Fahrzeug rammte. Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch griff das Thema Alkohol auf. Sie beschrieb, wie schwierig es ist, mit einer so genannten Rauschbrille, mit der die Wahrnehmung bei bestimmten Promillewerten simuliert wird, überhaupt nur einen Schlüssel in ein Schlüsselloch zu stecken. „Lassen Sie die Finger davon“, appellierte sie an die Schüler bezogen auf Substanzen, die dem Körper schaden. Jörg Andersson von der Knappschaft erläuterte, dass gerade in jungen Jahren beispielsweise das „Vorglühen“ oder „Komasaufen“ mit Alkohol besonders riskant sei, weil die besonders die Zellen schädige. „Wir wollen Sie sensibilisieren, mal nein zu sagen, wenn es um Alkohol und Drogen geht.“ Dank sprach Nicole Emden vom Kinderschutzbund der Lehrerin Stephanie Riebeling für die Vorbereitung aus. Sie ist Sucht- und Drogenbeauftragte. Die Technik-AG sorgte für Licht und Ton. Nach Gulps Auftakt mit Musik und Hüftschwung wurde schnell klar, dass die rund 120 Schüler sich nicht einfach zurücklehnen konnten. Die Frage: „Warum bist Du hier?“ stellte er direkt im Publikum. Und warum sie Alkohol trinken, mussten auch Pfannmüller und Becker-Bösch – „Weil’s schmeckt“ – beantworten. Rauchen, trinken, kiffen – Gulp führte überspitzt vor, wie grotesk solche Verhaltensweisen auf andere – nüchterne Beobachter – wirken können und dass das „angenehme Gefühl der Hemmungslosigkeit“ beispielsweise beim Ansprechen einer Frau schnell peinlich wirken kann. Der Komiker sparte aber auch nicht mit Kritik. Letztlich gehe es jenen, die andere mit ihren Drogen abhängig machen wollten, ums Geldverdienen. Unter anderem nannte er die „aberwitzig große, skrupellose Tabakindustrie“. Einen Vergleich zog er aber auch zum übrigen Konsum, wenn die Schüler dazu animiert würden „Designerjeans“ zu kaufen, aber letztlich nur die Werbung auf der Gesäßtasche vorführen sollten. „Lasst Euch nicht verarschen“, lautete sein entsprechender Appell. Denn: „Ihr seid doch eigentlich die Generation, die sagt, hey, wir machen es anders als die Alten.“ Doch „je süchtiger sie Euch machen, desto mehr Kohle können sie aus Euch herausholen“, mahnte er. Neben dem Auftritt in der Mensa ist mit dem Projekt der Krankenkasse Knappschaft und des Kinderschutzbundes auch ein Schulungstag Anfang November zum Thema Umgang mit Alkoholmissbrauch verbunden. Seit 2010 gibt es diese Schultour, 130 Schulen wurden bereits besucht. Nach Angaben der Knappschaft wurden im Jahr 2016 in Deutschland 15 000 Kinder wegen Alkoholmissbrauch in Kliniken behandelt. 74 000 Menschen stürben jährlich an den Folgen von Alkoholmissbrauch. 

(c) by Butzbacher Zeitung, 23.10.2018

 

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