Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Herausforderungen für Schmuckkästchen

NEUJAHRSEMPFANG Stadtplaner Hekmati vor 240 Besuchern im Bürgerhaus über „Vitales Butzbach"




BUTZBACH. Musikschule Butzbach und Weidigschule stimmten mit ihrem gemeinsamen Klangkörper auf den Neujahrsempfang der Stadt im Bürgerhaus ein.



BUTZBACH. Andre Haußmann (v.l.), Bürgermeister Michael Merle, Cornelia Dörr, Bernd-Uwe Domes und Dr. Ingenieur Björn Hekmati beschäftigten sich auf dem Butzbacher Neujahrsempfang nach der Begrüßung von Stadtverordnetenvorsteher Dr. Matthias Görlach mit der Stadtentwicklung. Text + Fotos: thg

BUTZBACH (thg). Einen Blick von außen auf Butzbach warf Stadtplaner Dr. Ingenieur Björn Hekmati von der Technischen Universität Darmstadt am Dienstagabend im
Bürgerhaus Butzbach beim Neujahrsempfang der Stadt. Sein Thema lautete: "Vitales Butzbach - Atmosphäre ist planbar wie bleiben Städte für die Menschen attraktiv?" Er riet den Verantwortlichen, beim Thema Stadtentwicklung zunächst ein Leitbild zu entwerfen und eine breite Bürgerbeteiligung anzustreben, was über eine Legislaturperiode hinaus dauere. Am Ende seines Vortrags gab er es den rund 240 Zuhörern im Saal schriftlich: "Schön habt Ihr's hier."
Stadtverordnetenvorsteher Dr. Matthias Görlach (SPD) hatte die Vertreter von Politik, Wirtschaft, Institutionen, Vereinen und Verbänden begrüßt. Butzbach sei attraktiv, wie er unterstrichen von Fotos von Rüdiger Fanslau erklärte. Mit zwei Musikstücken stimmte das gemeinsame Orchester von Musik- und Weidigschule unter Leitung von Marion Adloff und Annette von Malek auf den Abend ein. Bernd-Uwe Domes, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau führte durch den Abend.
Mit Fotos aus der Kernstadt, die er erstmals und zu diesem Zweck am Freitag besuchte, belegte Hekmati, dass etwa an der Eingangssituation an der Weiseler Straße oder auch an der Gestaltung des Schlossinnenhofs ebenso wie am Bahnhof samt Vorplatz noch zu arbeiten sei. Er führte an, dass die "Willkommensgeste" nicht auf das Schmuckkästchen hinweise, das Butzbach eigentlich sei. Denn beispielsweise der Marktplatz oder der Lustgarten böten Aufenthaltsqualität. "Das mag ich sehr gerne", sagte er über Elemente wie das Vordach des Kinos. Das Schmuckstück sei ein erhaltenswertes Teil.
Denn die Verbindung von alter und neuer Bausubstanz sei in Butzbach ein Thema. Das betrifft nicht nur die Fachwerkhäuser, sondern auch die Architektur beispielsweise der 50er Jahre. Schlecht kam bei Hekmati die Lärmschutzwand der Bahn in der Ludwigstraße weg. "Das knirscht gegen das Fachwerk." Im Zusammenhang mit dem Bahnhof plädierte er auch für eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, um Menschen zu bewegen und den Autoverkehr in der Innenstadt zu reduzieren.
Domes hatte zuvor berichtet, dass die Stadt Butzbach wachse. Nachdem die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen bis 2010 abgenommen hatte, sei in den folgenden Jahren bis 2015 die Trendwende eingetreten und deren Zahl um zwölf Prozent gestiegen. In Butzbach liege die Entwicklung über dem hessischen Durchschnitt. Man wolle "Druck vom Ballungsraum nehmen" sagte er auf den Großraum Frankfurt bezogen, aber in einer klugen Balance von sozialen, ökologischen und ökonomischen Faktoren anstelle eines unkontrollierten Wachstums.
Es sei die Frage, wie die Butzbacher ihre Stadt sehen, führte Hekmati an. Er bezeichnete die Stadt "auf keinen Fall als Vorort von Frankfurt". Er könne sich nicht vorstellen, dass Butzbacher ihre Stadt als Pendler-Stadt verstehen. Unter anderem betonte er auch, dass die Innenentwicklung ernst zu nehmen sei.
In einer Interviewrunde nahmen neben Hekmati auch Cornelia Dörr von der Tourismus-Region Wetterau, Andre Haußmann von Marketing Effekt und Bürgermeister Michael Merle Stellung zum Thema "vitales Butzbach". Hekmati unterstrich, dass für die Stadt eine Chance in ihrem mittelalterlichen Grundriss liege, trotz aller Verkehrsprobleme un
ter anderem durch den Bruch in der Struktur, den die Bahntrasse bedeute. Auch das Bahnhofsareal sei eine große Herausforderung: "Es lohnt sich, daran zu arbeiten." Es gelte Experten, aber auch die Menschen vor Ort zu fragen, was sie wollten und dies fein auszutarieren bezogen auf die Bevölkerung.
Der Bürgermeister betonte, zum Mitmachen einzuladen. Noch einige Hausaufgaben seien zu erledigen. Speziell sei auch die finanzielle Nachhaltigkeit notwendig zu erreichen.
"Butzbach hat es selbst in der Hand", sagte Haußmann. Er plädierte für eine klare Richtschnur, denn "ein Schlingerkurs kostet Kraft". Großes touristisches Potential sieht Dörr in der Stadt. Neben dem, was schon vorhanden sei, seien die "Angebotsoptionen am Rande des Taunus grenzenlos".
Domes fasste zusammen, dass bei der Bürgerbeteiligung die Identifikation der Einwohner das Wichtigste für die Stadtentwicklung sei. Ziel sei es, Atmosphäre zu schaffen. Um den Kern und die Charakteristik der Stadt zu erkennen, bedürfe es eines roten Fadens und eines Orientierungsrahmens.


(c) by Butzbacher Zeitung, 01.02.2018

 

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