Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Viele gute Wünsche begleiten die Abiturienten auf ihrem Berufsweg


BUTZBACH (dt). Die Leiterin der Weidigschule, Annette Richter, sprach von einem „Meilenstein“, den die „Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller“ jetzt erreicht hätten, und Studienleiterin Barbara Plock spießte – wie alljährlich von ihr gewohnt – das aktuelle Abi-Motto, das sich die Abgangsschüler selbst gegeben hatten, humoristisch auf. Die 104 diesjährigen Abiturienten hatten ihre Schulzeit unter das Motto „Abikalypse – Zwölf Jahre Weltuntergang“ gestellt. Diesen „Weltuntergang“ gelte es nun aufzuhalten, betonte Plock. Eltern, auch Großeltern, waren am Freitagnachmittag in die Mehrzweckhalle Kirch-/Pohl-Göns gekommen, um bei der Ausgabe der diesjährigen Abiturzeugnisse dabei zu sein. Die Abiturientin Anna-Lena Bill und die beiden Abiturienten Simon Scholtz und Paul Wissler legten das Abitur mit der Gesamtnote 1,0 ab. Nach der Eröffnung der dreistündigen Feier durch den musikalischen Beitrag eines Abituriententrios wandte sich Schulleiterin Richter in ihrer Begrüßung zunächst an die anwesenden Eltern und Großeltern und forderte sie auf – bei aller an diesem Tage auch vorhandenen Wehmut – „stolz zu sein“ auf die Erreichung dieses ersten „Meilensteines“ ihrer Töchter, Söhne, Enkelinnen und Enkel. Danach wandte sich Richter direkt an die scheidenden Abiturienten und verwies darauf, dass sie sich jetzt eine Chance erarbeitet hätten, die sie nicht verpassen dürften, weil sie so nicht mehr wiederkäme. Falsche Entscheidungen erkenne man leider erst im Nachhinein, wobei man keine Angst auch einmal vor einem Scheitern haben dürfe. Fehler, Versagen und dunkle, auch schwere Momente gehörten zum Leben. „Ihr habt in unserem Land gute Gründe an eine gute Zukunft zu glauben und könnt nun eure Bildung zum Wohl aller einsetzen,“ betonte die Schulleiterin, die allen Kollegen und Tutoren dankte, die den jetzt zu verabschiedenden Jahrgang erfolgreich auf seinem Schulweg begleitet hatten. Ein Grußwort des Elternbeirats überbrachte Andrea Richert, die die Abgänger daran erinnerte, dass es im Leben nicht nur den einen richtigen Weg gebe: „Wissen ist der Schatz, der euch überallhin begleitet.“ Es folgte in zwei Blöcken die Auszeichnung der leistungsbesten und anderweitig herausragenden Abiturienten durch verschiedener Institutionen und Vereine (vergl. dazu weiteren BZ-Bericht). Die Zeugnisausgabe für die sieben Tutorengruppe wurde in drei Blöcken vorgenommen. Zunächst erhielten die ersten beiden Absolventengruppen durch ihre Tutoren Alexander Fischer und Britt Grunwaldt ihre Abi-Zeugnisse. Vor der Pause gab es weiter die Abschlusszeugnisse der Tutorengruppen von David Wayne Hester und Lothar Jakob. Zur Eröffnung des zweiten Teils der Veranstaltung verabschiedete Studienleiterin Barbara Plock in einer ansatzweise launigen, teilweise auch emotional direkten Ansprache für die Lehrerschaft die diesjährigen Abiturienten, die das Abitur nach zwölf Jahren erreicht hatten. Jede Lehrerin, jeder Lehrer habe in Unterricht und Betreuung „ein Stück von sich selbst investiert“, bekannte Plock, die in der Rückblende die aktuellen Abiturienten als „individuelle und ganz eigenartige Menschen“ kennzeichnete. Bei den mündlichen Prüfungen hätten sie und ihre Kollegen/innen einige neue, „erstaunliche Erkenntnisse“ gewinnen können. Da sei manchmal viel „Kreativität“ im Spiel gewesen. So habe ein Prüfling das Verhalten des Prinzen von Homburg in Heinrich von Kleists Drama als „verweichlicht“ charakterisiert, ein anderer habe festgestellt, dass in Georg Büchners Novelle „Lenz“, diesem von seinem Vater „der Wahnsinn aufgezwungen“ worden sei. Die sprichwörtliche Aussage „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“ in Goethes „Faust“ habe ein Prüfling so erläutert, dass die eine, die irdische Seele für die Liebe stehe, die zweite dagegen für das Überirdische, für Natur und Wissenschaft. Damit – so Plock – stehe wohl fest, dass ihre Kollegen von den Naturwissenschaften mit „Überirdischem“ befasst seien. Bei der Prüfungsfrage, welche Bedeutung die Philosophie für den Menschen habe, habe sich ein Schüler auf die Aussage festgelegt, dass die Philosophie heute nur noch „Therapiezwecken“ diene. Dem diesjährigen Abi-Motto, in dem von „Weltuntergang“ die Rede sei, stellte die Studienleiterin als Alternative „das Glück und das Glücklichsein“ gegenüber. Erich Fromm habe das Glück als „Frucht innerer Einstellung“ gekennzeichnet. Glück sei vor allem Zufriedenheit, betonte Plock, Zufriedenheit mit dem richtigen Beruf, der „ein Stück Berufung“ sein könne. Nicht zu unterschätzen seien auf dem Weg dorthin  „preußische Tugenden“ wie Fleiß, Aufrichtigkeit oder Selbstdisziplin. Weiter wichtig im Leben seien zwischenmenschliche Beziehungen, die Halt und Haltung im Leben gäben. Neid und Missgunst führten auf falsche Wege. Der dänische Philosoph, Theologe und Schriftsteller Sören Kierkegaard habe festgestellt: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ Es folgten die Zeugnisübergaben der Tutorengruppen von Dr. Anke Ordemann, Sabine Schlitt und Dr. Joachim Tröll, ehe der Nachmittag mit einem weiteren musikalischen Beitrag zu Ende ging. 
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Bestnoten für fünf Abiturienten  (v.l.): Studienleiterin Barbara Plock, Anna-Lena Bill (1,0), Simon Scholtz (1,0), Paul Wissler (1,0), Julie Hübner (1,1), Lilli Weiskopf (1,1) und Laudator Burkhard Reuhl vom Verein der Freunde und Ehemaligen der Weidigschule (Foto oben). – Auszeichnungen für besondere Leistungen in den Fächern Physik, Kunst und Chemie durch den Rotary-Club Bad Nauheim-Friedberg gab es für diese Abiturientinnen und Abiturienten (Foto unten). Text + Fotos: dt

(c) by Butzbacher Zeitung,18.06.2018

 

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