Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

350-Euro-Buch für Kunst geopfert

VERNISSAGE Galerie 511 zeigt an der Weidigschule Collagen von Sabine Remy, "Frau mit Scherenhänden"



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BUTZBACH. Die Galerie-511-AG mit Gudrun Salz (l.) und Schulleitern Annette Richter (zweite v.r.)
hatte zur Vernissage mit Werken von Sabine Remy in die Weidigschule eingeladen. Das Hauptthema
der Düsseldorfer Künstlerin sind die "Augen". Fotos: mit

collage


BUTZBACH (mit). Schulleiterin Annette Richter begrüßte eine erfreulich große Anzahl von interessierten Besuchern im Raum 511 der Weidigschule zur diesjährigen Ausstellungseröffnung der Galerie 511. Seit 20 Jahren besteht diese Tradition mittlerweile, und daher wird es in diesem Jahr im Herbst noch eine weitere Ausstellung geben, die dann das Jubiläum würdigt.  2018 steht die Düsseldorfer Künstlerin Sabine Remy, die in Presseberichten gelegentlich als „die Frau mit den Scherenhänden“ bezeichnet wird, mit ihren Collagen im Mittelpunkt. Seit 2009 erstellt sie, zunächst zwei Jahre nur für sich alleine, mit Schere und Skalpell die unterschiedlichsten Collagen. Vieles dreht sich dabei um das Thema „Augen“. Mittlerweile hat sie seit 2013 in insgesamt über 20 Ausstellungen ihre Werke der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ist somit ihrem Motto „Ich schneide, also bin ich!“ gerecht geworden. Für die Collagen sammelt sie Bildmaterial auf Trödelmärkten, in Antiquariaten, im Internet und Bücherschränken. Über die Arbeit an Ihren Unikaten hinaus begann sie, gleichgesinnte Collagekünstler in aller Welt (Niederlande, Finnland, Frankreich, Australien oder Schottland, Kolumbien, Thailand, Südafrika) über das Internet oder ihren eigenen Blog kennenzulernen. Mit einigen ergaben sich gemeinsame Projekte, sogenannte Colabs, bei denen ein Künstler mit einem Starter beginnt, der, nach Transport auf dem Postweg, von anderen Künstlern beendet wird. Derartige Collage-Freundschaften pflegt Remy jahrelang, unter anderem mit Lynn Skordal aus den USA. Auch gemeinsame Ausstellungen entstanden daraus.  Ähnliche Kunstprojekte sind die „Assembling-Boxes“, eine Zusammenstellung von Collagen verschiedener Künstler in einer Box oder „art-mail“ – Projekte, bei denen künstlerische Briefe entstehen, an denen jeweils mehrere Künstler mitgearbeitet haben. Remys Interessen gehen also über eigene Unikate hinaus und gelten der künstlerischen Vernetzung und Kooperationsprojekten. Richter bedankte sich bei der Künstlerin, dass sie neben der Kooperation in der Vorbereitung auch zur Vernissage persönlich anwesend sei.  Ihr Dank galt aber auch der Leiterin der Galerie-AG, Gudrun Salz, ohne deren Engagement gemeinsam mit den Schülern so ein Projekt gar nicht zu stemmen sei.  So seien unter anderem die Werke eigenhändig aus Düsseldorf nach Butzbach geholt worden. Darin zeige sich, dass Kunst Bildung im besten Sinne sei. Salz wies darauf hin, dass die 12 Mitglieder der Galerie AG (Lara Bölsche, Aimée Devogelare, Jasmin Gürbüz, Milena Heyd, Emine Ipkin, Ben Krappatsch, Felicia Knapp, Sofia Peters, Laura Pfeiffer, Sandra Rodemann, Feli Schaaf und Sabina Topor) einen erheblichen Beitrag geleistet und viele Extrastunden investiert hätten. Außerdem bedankte sie sich beim Förderverein der Weidigschule für die Finanzierung der Einladungen und Plakate sowie des Transportes, bei Kollegen und Schülern für das Sammeln und Stiften von Postern und sogar alten Landkarten und bei Betina Adami von der Volksbank Butzbach, die ebenfalls Poster zum Zerschneiden zur Verfügung gestellt hatte. Salz berichtete, dass man zweimal einen Workshop zusammen mit einem Atelierbesuch bei der Künstlerin in Düsseldorf unternommen habe und danach das große Schnippeln in Butzbach begonnen habe. Ergebnisse könne man in den Fluren bewundern. Sie wies auch auf eine extra erstellte Weltkarte hin, die aufzeige, wo überall Künstler mit Remy bei den Colabs zusammenarbeiten. Auch könne man sich gleich daneben am PC einen Einblick in Remys interessante Homepage und Blog (http://miriskum.de) holen. Die Künstlerin ging in einer Fragerunde als erstes auf die Frage ein, warum sie sich nicht fotografieren lasse. Durch ihre Präsenz in den sozialen Medien und ihrem Blog wolle sie sozusagen als letzte Bastion das Recht am eigenen Bild erhalten. Sie lebe nicht von ihrer Kunst, sondern gehe einem Beruf nach. Schon in der Schule habe sie das Leistungsfach Kunst belegt, sei schon immer kreativ gewesen. Die Idee zur Collage sei eher zufällig gekommen, sie habe es einfach ausprobiert. Das teuerste Buch, welches sie zerschnitten habe, sei, wie sie später herausbekommen haben, ein Foto-Sammelband im Wert von 350 Euro gewesen. Die Kontakte zu anderen Künstlern seien übers Internet entstanden. Ihre größten Collagen seien die anatomischen Karten, deren Drucke man in der Ausstellung bewundern könne. Kunst sei für sie das Endergebnis eines kreativen Prozesses. Wer sich diese Endergebnisse, auch die der Galeriemitglieder, anschauen möchte, hat dazu noch bis zum 11. Mai Gelegenheit. Öffnungszeiten vormittags währen der Unterrichtspausen, am Donnerstag, 3.Mai, von 18.00 bis 20.00 Uhr und am Dienstag, 8. Mai, von 17:30 Uhr bis 19.30 Uhr. 

(c) by Butzbacher Zeitung, 02.05.2018

 

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