Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Rückblick der Pompeji-Fahrt

POMPEJI-FAHRT    Lateinkurse der Jahrgangsstufe zehn der Weidigschule in Herculaneum und Paestum


BUTZBACH. Im Rahmen der Projektwoche 2017 unternahmen die Lateinkurse der Jahrgangsstufe 10 der Weidigschule Butzbach ihre traditionelle Studienfahrt an den Golf von Neapel. Weidigschülerin Michelle Xi aus dem Latein-Orientierungskurs verfasste darüber den folgenden Bericht:
"Fünf Jahre Lateinunterricht, unendlich viele Vokabeln, Grammatik und übersetzte Texte - all das mit einem ganz besonderen Ziel: der Pompeji-Fahrt in der 10. Klasse. Von einigen als "Höhepunkt ihrer Lateinlaufbahn“ beschrieben, weckte die Pompeji-Fahrt schon von Anfang an Vorfreude bei uns allen. Nach informativen Präsentationen und Unterrichtsstunden über Pompeji, den Vesuv und die umliegende Region Kampanien konnten wir es kaum erwarten, all die Sehenswürdigkeiten endlich selbst zu sehen. Insgesamt 79 Lateinschüler/-innen und vier Lehrkräfte der Weidigschule Butzbach - Frau Aslanidou, Frau Henkelmann, Herr Höhn und Herr Kahnert - machten sich am 21. Juni 2017 gemeinsam auf den Weg nach Meta Di Sorrent. 30 °C und Sommersonne in Deutschland gaben uns am Abfahrtstag einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns nach 20 Stunden Busfahrt in Italien erwarten sollte. Eine für einige schlaflose Nacht später hatten wir schon die italienische Grenze überquert. Schilder und Hinweise auf Italienisch, die fehlenden Bäume und vor allem die Hitzewelle, die uns bereits frühmorgens entgegenschlug, als wir aus dem Bus stiegen, machten uns klar, wo wir waren. Es herrschte allseitige Aufregung, als wir zum ersten Mal den Vesuv und das Meer sahen.
Donnerstagvormittag erreichten wir schließlich unsere Unterkunft, eine Anlage mit Bungalows verteilt auf mehreren Ebenen. Nach dem anstrengenden Akt, die Koffer zu unseren Bungalows zu tragen (Fahrstühle gab es nicht), waren wir alle von der wundervollen Aussicht auf das Meer überwältigt. Dieses lag sozusagen direkt vor unserer Haustür, nur fünf Minuten Fußweg von unserer Anlage entfernt. Eingestimmt durch ein typisch italienisches Mittagessen (Wer hätte etwas anderes erwartet als Nudeln mit Tomatensoße?) machten wir bei ebenfalls typisch italienischer Mittagshitze und -sonne einen kleinen Ausflug nach Sorrent. Dort lernten wir „Limoncello“ kennen, einen Likör aus Zitronen, die Spezialität der Region, und viele nahmen eine Flasche mit (natürlich nur als Souvenir für die Daheimgebliebenen). Damit war das Tagesprogramm auch schon abgeschlossen, sodass genug Zeit für uns blieb, um uns auszuruhen und uns am Meer abzukühlen.
Die folgenden fünf Tage verliefen nach dem gleichen Schema: Sightseeing bis nachmittags und danach Freizeit und Meer.  Am Freitag besuchten wir die Ausgrabungsstätte Herculaneum, bei der zum ersten Mal erhellende Ausrufe wie „Das hatten wir doch im Unterricht!“ oder „Das ist doch…“ zu hören waren. Besonders beeindruckend waren die Bootshäuser mit den Skeletten der Opfer des Vesuvausbruchs und die Wandmalereien, die noch sehr gut erhalten waren. Von dort aus ging es dann weiter zum Vesuv, der natürlich bestiegen werden musste. Der anstrengende Aufstieg wurde eindeutig durch die Aussicht wettgemacht, während der Krater dagegen etwas enttäuschend war, da wir doch etwas mehr als ein großes Erdloch erwartet hatten.
Am folgenden Tag besuchten wir die Insel Capri. Dieser Tag war bereits als Highlight der Fahrt prognostiziert worden. Natürlich mussten wir mit dem Schiff dorthin fahren, jedoch war dieses keine langweilige Fähre, die über das Meer entlang tuckerte, sondern es handelte sich um Schnellboote, die geradezu über die Wellen flogen. Die meisten von uns stiegen ahnungslos in die recht harmlos aussehenden Boote ein, genossen den Fahrtwind, als die Boote beschleunigten, und fingen an zu kreischen (okay, nur die Mädchen), als die Boote die ersten Sprünge vollführten. Spätestens nach dieser Bootsfahrt, auf der selbstverständlich auch einige Grotten und Felsen gezeigt wurden, waren alle wach und motiviert. Dies war auch gut so und nötig, da daraufhin erst einmal der Aufstieg auf die Insel selbst und anschließend noch weiter zur Villa Iovis folgte. Der Besuch von Capri wurde durch eine Rundfahrt um die Insel abgeschlossen, zur Freude aller wieder auf Schnellbooten. „So muss es sich anfühlen, reich zu sein.“ Spätestens jetzt war klar, wieso Capri von unseren Vorgängern zum Highlight gekürt worden war.
Vom malerischen Capri ging es am folgenden Tag auf ins überfüllte und hektische Neapel. Den italienischen Verkehr hatten wir bereits in Meta di Sorrent kennengelernt, enge Gassen, durch die sich Vespa- und Autofahrer zwängten und dabei versuchten niemanden umzufahren. In der Großstadt Neapel hatte der Verkehr jedoch ganz andere Ausmaße, überall Autos und Gehupe und außerdem die Sorge vor Taschendiebstählen. Der Dom San Gennaro, ein eindrucksvolles Gebäude sowohl von außen als auch von innen, schien uns daher wie eine Oase der Stille und auch das Nationalmuseum Neapels, das voll von antiken Fundstücken wie bspw. beeindruckenden Statuen und Mosaiken war, zeigte Neapel von einer ganz anderen Seite. In der Mittagspause ließen wir es uns natürlich nicht nehmen, Pizza essen zu gehen, schließlich ist Neapel die Geburtsstätte der Pizza. Gestärkt ging es danach in die Unterwelt Neapels, ein großes unterirdisches Netzwerk aus Gängen und Höhlen, in dem wir ohne Führer wahrscheinlich verloren gegangen wären.
Am Montag besuchten wir schließlich das Hauptziel der ganzen Fahrt: Pompeji. Die dortige Ausgrabungsstätte war um einiges größer als Herculaneum, sodass wir nach einer gemeinsamen Erkundungstour in Kleingruppen selbst entscheiden konnten, welche der vielen Wohnhäuser und Bauten wir besichtigen wollten. Auch hier war alles erstaunlich gut erhalten und das, was nicht mehr als Original vorhanden war, war zumindest durch hochwertige Replikate ersetzt worden (viele Mosaike und Wandmalereien waren ins Nationalmuseum Neapel verlegt worden). Dieser Tag war von den Lehrern als der anstrengendste angekündigt worden, am Ende kamen aber alle wohlbehalten, wenn auch etwas müde, in der Unterkunft an.
Am Dienstag fuhren wir zuletzt nach Paestum, wo es nach einem kurzen Museumsbesuch zur Ruinenstätte mit seinen pompösen Tempel ging. „Ich freu mich gerade wie ein kleines Kind.“ Die Tempel bzw. eigentlich ihre Überreste waren aber auch zu überwältigend! Wir hatten das Glück, dass die Tempel an diesem Tag betreten werden durften, im Gegensatz zur Pompeji war zudem außer uns fast keiner da, sodass wir alles ganz für uns hatten. Danach fuhren wir an einen Sandstrand (sonst waren wir immer an Kieselstränden gewesen), wo wir den Tag ausklingen lassen durften.
Am Mittwoch  traten wir die Heimfahrt nach Deutschland an. Die meisten von uns wären gerne noch länger geblieben, aber viele sehnten sich auch schon wieder nach ihrem Zuhause, der deutschen Ordnung oder auch nach dem Wetter in Deutschland. Von letzterem wurden wir bereits kurz nach Fahrtbeginn überrascht. Als plötzlich Regen auf das Busdach trommelte, löste das bei vielen Schülern Aufregung, teilweise sogar Begeisterung aus. Die Rückfahrt verlief aufgrund von Stau leider nicht ganz so reibungslos wie die Hinfahrt, nach 22 Stunden Fahrt kamen wir jedoch endlich im verregneten (und vergleichsweise kalten) Deutschland an und wurden von unseren Freunden und Verwandten an der Schule in Empfang genommen.
Abschließend spreche ich wohl im Namen aller, wenn ich sage, dass diese Fahrt, eine herrliche Mischung aus Ruinen, Meer und italienischem Eis, unvergesslich war. Nicht nur die gemeinsamen Abende bestehend aus Werwolf- und Kartenspielen, sondern vor allem auch Bilder von pompösen Statuen, Ruinen, aber auch von den Opfern des Vesuvausbruchs, werden ewig in unseren Köpfen und Herzen verbleiben.“


 

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