Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

"Krieg darf es nicht geben"

PROJEKT    Weidigschüler beschäftigen sich mit Gräbern in Nieder-Weisel / Menschliche Schicksale erschlossen



 BUTZBACH. Die Weidigschüler der Klasse 9b absolvierten auf der Kriegsgräberstätte Nieder-Weisel einen Projekttag zum Thema Kriegsopfer und Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf Butzbach.
Text + Foto: hof

BUTZBACH (hof/thg). Die Weidigschüler der fünf neunten Klassen absolvierten auf der Kriegsgräberstätte Nieder-Weisel jeweils einen Projekttag zum Thema Kriegsopfer und Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf Butzbach. Zu Beginn besichtigten sie die Kriegsgräberstätte Nieder-Weisel und führten den Tag mit Gruppenarbeiten zu Einzelschicksalen, den Bombenangriffen auf Butzbach und der Kriegsgräberstätte selbst fort.

Das Ziel des Projektes war, den Schülern zu verdeutlichen, dass der Zweite Weltkrieg auch an ihrem eigenen Wohnort deutlich zu spüren war und diese Ereignisse noch gar nicht so lange zurückliegen. Das Projekt, das vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) getragen wird, findet an der Weidigschule bereits seit mehreren Jahren für die Schüler der neunten Jahrgangsstufe statt.

Die Kriegsgräberstätte Nieder-Weisel ist der letzte Ruheort für 519 Kriegstote der Jahre 1944 und 1945, deren Alter von zwei bis 74 Jahren reicht, wie der VDK informiert. Mehrheitlich Soldaten, die bei Kämpfen, in Lazaretten oder in Kriegsgefangenschaft verstorben sind, wurden auf dem von der US-Armee noch vor Kriegsende angelegtem Gräberfeld bestattet. Nachträglich wurden auch zivile- Bombenopfer, polnische und sowjetische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie sowjetische Kriegsgefangene hinzu gebettet.

Die Schicksale der dort Bestatteten, aber auch die Geschichte des Ortes, bieten vielerlei Möglichkeiten, (regional)geschichtliche Aspekte und Themen zu erschließen. Das Potential dieses außerschulischen Lernortes nutzt auch die Weidigschule für Projekttage. Die aktuellen Neuntklässler begaben sich auf Spurensuche und erschlossen sich den Friedhof zunächst selbstständig anhand eines Fragebogens. Boten die Angaben der Grabzeichen zunächst kaum Informationen, die über Namen und Altersangaben hinausgehen, so beleuchtete die anschließende gemeinsame Auswertung die individuellen Schicksale und die historischen Hintergründe.

Beispielsweise sind unter den deutschen Kriegstoten die Jahrgänge 1920 bis 1929 auffallend häufig vertreten. Diese 16- bis 25-jährigen Soldaten gehörten zu den Ersatz- und Ausbildungskompanien, die in der Schlussphase des Krieges gegen die heranrückenden Alliierten kämpften. Auch in Butzbach existierten bis Kriegsende zwei Kasernen, in denen in vierwöchigen Schnellkursen junge Soldaten ausgebildet wurden, die häufig kaum älter als die Teilnehmenden selbst waren.

Zwei exemplarische Schicksale solch junger Soldaten waren Gegenstand der an die "Spurensuche" anschließenden Gruppenarbeitsphase. Auch die Schicksale von Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherr- schaft, von Zwangsarbeitern und sowjetischer Kriegsgefangener sowie der Butzbacher Bombenkrieg wurden in Kleingruppen vertiefend behandelt. Anhand von Materialien und Quellen erarbeiteten die Jugendlichen je eine Präsentation, in der sie das Thema der Klasse vorstellten. Die unterschiedlichen Themen und Fragestellungen ergaben so ein komplexes Bild der regionalen Geschichte, aber auch des Umgangs mit der Vergangenheit.

Das einstimmige Fazit der Schüler lautete: "So etwas wie Krieg darf es nicht geben."

(c) by Butzbacher Zeitung, 09.06.2017

 

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