Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

57 Abiturienten der Weidigschule hatten im Zeugnis 1 vor dem Komma


BUTZBACH (dt). "Bildung besteht aus Wissen. Das Gelernte muss dann in Zusammenhänge gestellt werden und ich habe die Hoffnung, dass ihr die erworbene Bildung auch für unsere Gesellschaft einsetzen werdet." Dies war das Statement von Schulleiterin Annette Richter - nach einem vorhergehenden musikalischen "Opening" — zu Beginn der dreistündigen Verabschiedung der Weidigschule für ihren Abiturientenjahrgang am Freitag in der Sporthalle Kirch-Göns. 133 Absolventen wurden nach zwölf Jahren verabschiedet, wobei in 57 Zeugnissen in der Gesamtnote eine 1 vor dem Komma stand. Anders als seit Jahren verzichtete man diesmal auf das sonst gewohnte bunte Programm mit tänzerischen und musikalischen Beiträgen rund um den offiziellen Teil. Diese waren am Samstagabend dann dem am gleichen Ort stattfinden fröhlichen Abiball vorbehalten. Für die Schulleitung begrüßten Annette Richter und — in Vertretung für Studienleiterin Barbara Plock - Sebastian Wirth die Besucher, wobei Richter im Rückblick auf die letzten entscheidenden Wochen für die Abschlussschüler noch einmal auf die "besondere Situation" der Prüfungen einging. "Auch seltsame Glücksbringer waren im Einsatz, ein Kaktus ging von Hand zu Hand," scherzte sie. Sie dankte allen Tutoren, die mit ihren TGs oftmals "verschworene Einheiten" gebildet hätten. Da sei eine "Vertrauensbasis" zwischen den Beteiligten aufgebaut worden.

Sebastian Wirth hatte seinen Wortbeitrag auf humorvolle Sentenzen und Ratschläge in englischer Sprache aufgebaut wie etwa die Aussagen "All I really need to know learned in kindergarten", "Help each other", "Say sorry, when you hurt somebody", "Clean up your own mess", "Laugh at yourself", "Listen to your parents", "Live a balance live" oder "Try new things, dream big." Die jetzt aus der Schule Entlassenen forderte er auf, auch künftig "Botschafter der Weidigschule" zu sein. In den sich anschließenden Grußworten des Elternbeirats sprach Andrea Richert von einer Mischung aus Freude und Wehmut bei den Abiturienten und dankte — im Namen der Eltern - den Lehrern und Lehrerinnen für die vergangenen zwölf Jahre.

Die Ausgabe der Abiturzeugnisse an die erfolgreichen Absolventen erfolgte im Verlauf der Veranstaltung in drei Blöcken durch die Schulleitung und die jeweiligen Tutoren (siehe dazu BZ v. 9.6.2017). Ein ganz besonderer Punkt im Programm war die Vergabe der Ehrenpreise für herausragendes Engagement und überdurchschnittliche Leistungen der Schüler.

Eröffnet wurde der Reigen der Auszeichnungen traditionell im Auftrag des Vereins der Freunde und Ehemaligen der Weidigschule durch Burkhard Reuhl, der die sieben Abiturienten mit den besten Abschlüssen in der Gesamtnote ehrte und mit Preisen bedachte. Dies waren (in Klammern die Note): Lennart Berg, Franziska Jantos, Maximilian Stadnik, Darleen Stöckl, Mirjam Wagner (alle 1,0), Lavinia Bauer und Leon Jüstel (beide 1,1).

Peter Ruppel zeichnete im Auftrag der Deutschen Physikalischen Gesellschaft Leon Jüstel (mit Buchpreis), Eleya Jarjis, Victor Lachmann, Jonas Nicolaizik und David Pössl für besondere Leistungen im Fach Physik aus. Gudrun Salz stellte das schulische Projekt der "Galerie 511" vor, das seit 20 Jahren erfolgreich vielfältige Kunstausstellungen organisiert, junge Menschen mit Kunst in Berührung bringen will und ehrte dazu Katharina Schmidt, Sara Pljakoli, Charly Härtel, Aaron Nerlich, Michèle Kohls und Lena de Leonardis.

Für die Gesellschaft Deutscher Chemiker stellte Dr. Marcus Knapp die Leistungen von Mirjam Wagner in den Mittelpunkt. Christian Purschke skizzierte kurz das selbstgestellte umfassende Aufgabengebiet des Rotary-Clubs Bad Nauheim/Friedberg vor und zeichnete Sinem Ayana für ihr außerordentliches soziales Engagement in und außerhalb der Schule mit einem Geldpreis von 300 Euro aus.


 BUTZBACH. Die Gruppe der Abiturienten, die für ihre herausragende Gesamtnote, besonderes soziales Engagement (durch den Rotary-Club) und sehr gute Leistungen in den Fächern Physik, Kunst und Chemie ausgezeichnet wurden.

Nach einer Pause verabschiedete Dr. Jana Hartmann im Auftrag des Gesamtkollegiums die Abiturien ten, wobei sie das diesjährige Abi-Motto aufspießte und - mit trockenem Humor gewürzt - einer eingehenden Analyse unterzog: "Zirkus Abigalli - zwölf Jahre aushalten". Das in Anlehnung an die sehr sinnfreie TV-Sendung "Zirkus Halligalli" gewählte Motto könne doch wohl kaum ein Sinnbild für die vergangenen zwölf Jahre sein, "beklagte" Hartmann und spottete auf liebenswert-humoristische Art, scheinbar widerwillig und "genüsslich" über eventuell von den Schülern gesehene Parallelen. Auch Bonmots und Stilblüten aus den Prüfungen waren wieder ein Thema. So habe Konrad Adenauer im "blühenden Alter" von 114 Jahren die deutsche Wiedervereinigung in die Wege geleitet und das entscheidende Moment in Goethes "Faust" sei doch wohl gewesen, dass es in Auerbachs Keller kostenlos Alkohol gegeben habe. Abschließend wünschte sie den Absolventen "viel Leidenschaft" auf ihrem weiteren beruflichen und privaten Lebensweg.

Den zweiten Ehrungsblock eröffnete Schulleiterin Annette Richter für die Clermont-Müller-Reißner-Stiftung, die besonderen Einsatz für außerschulisches Engagement und die SV-Arbeit belohnte. Geehrt wurden Paul Caracciola, Leonie Mihm, Melissa Merz und Jakob Grünthaler. Für besondere Leistungen im Fach Erdkunde zeichnete Annette Gerber die Absolventen David Pössl, Lavinia Bauer und Linus Dietrich mit dem Carl-Diercke-Preis aus. Der stellvertretende Schulleiter Christian Pfeiffer übergab den Preis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung an Lennart Berg.

Dr. Jana Hartmann zeichnete Elisa Seiler, Darleen Stöckl (beide Latein-Leistungskurs), Sophia Reiter und Julia Faltermeier (beide Latein-Grundkurs) im Namen des Deutschen Altphilologen Verbandes für besondere Leistungen in Latein aus. Im Fach Biologie konnten Franziska Jantos und Katharina Thiessen von Thorsten Baron den Karl-von-Frisch-Preis in Empfang nehmen. Das MINT-EC-Zertifikat - die Abkürzung steht für eine zusammenfassende Bezeichnung der Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - überreichte Dr. Anke Ordemann an Melissa Merz, Sina Leps und Lennart Berg.


 BUTZBACH. Besonders ausgezeichnet wurde diese Gruppe der Abiturienten von der Clermont-Müller-Reißner-Stiftung, mit dem MINT-EC-Zertifikat und für herausragende Leistungen in den Fächern Erdkunde, Mathematik, Latein und Biologie.
Text + Fotos: dt

 

Ein letzter, mit viel Beifall bedachter Höhepunkt war die Schüler-Abschiedsrede von Leon Jüstel für die Absolventen.


 BUTZBACH. Kritisch analysierend setzte sich Abiturient Leon Jüstel in seiner Schüler-Abschiedsrede mit dem eigenen Schulleben und dem Bildungssystem auseinander.

Rhetorisch faszinierend war dies eine bekennende Bilanz der eigenen Schulzeit. Kritisch reflektierend, analysierend setzte sich Leon Jüstel - durch beiläufige, unterschwellig vorgetragene, knapp formulierte Anmerkungen kommentiert- mit seinem Weg vom Kindergarten bis zum Abitur auseinander und zog das Fazit "Die Schule hat uns vielleicht auf das Studium vorbereitet, aber nicht auf das Leben." Er kritisierte, dass Schulnoten im Konkurrenzkampf das notwendige Miteinander in der Schule behinderten: "Irgendwann ist man Einzelkämpfer. Das System versuchte uns zu entzweien, doch wir haben das Beste daraus gemacht." Langanhaltender Beifall - besonders aus den Reihen seiner Mitabiturienten - unterstrich, dass Jüstel einen Nerv im heutigen Bildungs- und Schulsystem getroffen hatte. Mit einem abschließenden musikalischen Beitrag endete die diesjährige Zeugnisausgabe.

(c) by Butzbacher Zeitung, 26.06.2017

 

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