Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

"Nicht anderen die Wahl überlassen"

MULTIVISION Ingo Espenschied informiert Butzbacher Schüler über Demokratie und Wahlrecht



BUTZBACH. Schüler von Weidig-, Schrenzer- und Stadtschule (Foto oben) folg-
ten dem Vortrag von Ingo Espenschied "Deine Stimme zählt".    Fotos: thg

BUTZBACH (thg). Mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Thomas Gebhardt (CDU) war Ingo Espenschied im Sommer im Bundestag unterwegs, um den Alltag eines Volksvertreters im Parlament kennenzulernen. Davon berichtete der Journalist und Politologe gestern im voll besetzten Bürgerhaus Butzbach vor Schülern der weiterführenden Butzbacher Schulen. Mit seiner Mulitivisionsschau "Deine Stimme zählt" war es sein Ziel, die jungen Leute für Politik zu interessieren und ihnen zu verdeutlichen, was das Wahlrecht bedeutet.
Es gebe keine Nicht-Wahl, betonte Espenschied. "Wer nicht zur Wahl geht, wählt automatisch das, was andere für Euch wählen", gab er zu bedenken, auch wenn noch längst nicht alle anwesenden Schüler am 24. September schon in der Bundestagswahl stimmberechtigt sind.
Als Beispiel nannte er die Brexit-Abstimmung in Großbritannien. Dort seien viele junge Leute, die in der EU bleiben wollten, nicht zur Stimmabgabe gegangen, dann aber mit dem Brexit aufgewacht.
Er machte auch klar, dass jede Partei Vor- und Nachteile hat. "Kein Ansatz für sich verspricht Erfolg", fasste er zusammen. Die jungen Leute als Wähler sollten sich daher überlegen, welche Ideen und Werte ihnen wichtig sind. "Guckt Euch die Personen an, die etwas versprechen. Sind sie kompetent?", riet er.
Er schilderte auch den Verlauf der Wahl vom Erhalt der Wahlbenachrichtigung bis zur Stimmabgabe. Nur die beiden Kreuze dürfe man machen, sonst keine Beschriftung hinzufügen. Ein Selfie in der Wahlkabine mit Stimmzettel widerspreche dem Grundsatz der geheimen Wahl. Zudem klärte er über die Bedeutung der Zweitstimme für die Stärke einer Partei im Parlament ebenso auf wie über das Gewicht der Erststimme mit Blick auf eventuelle "Überhangmandate".
Im Verlauf des Vortrags behandelte Espenschied ganz allgemein die Demokratiegeschichte beginnend im antiken Griechenland über die „res publica", aus der die "Republik" wurde, das Mittelalter, die Aufklärung bis hin zur Französischen Revolution als "Durchbruch für die Demokratie in Europa" durch die Erklärung der Menschenrechte. Er ging unter anderem auch auf das Hambacher Fest, das Paulskirchenparlament, die Weimarer Republik und das Grundgesetz der Bundesrepublik ein.
Außerdem räumte er mit.dem Vorurteil auf, ein leerer Plenarsaal oder andere Tätigkeiten wie Aktenlesen während einer Debatte seien eine Missachtung und unangemessen. Während der Begleitung des südpfälzischen Abgeordneten Gebhardt sei deutlich geworden, dass die eigentliche Arbeit etwa an Gesetzen außerhalb der Debatten geleistet werde. Gebhardt habe eine 70- bis 80-Stunden-Woche, sei in Berlin ebenso aktiv wie in seinem Wahlkreis, aus dem er Anfragen und Zuschriften erhält. Als Umweltausschuss-Mitglied mit Mitarbeit an einem drei Jahre währenden Gesetzgebungsprozess zur Verbesserung von Recycling nehme der Abgeordnete Termine unter anderem mit Lobbyisten wahr. Dabei wies Espenschied darauf hin, dass Lobbyismus Interessenvertretung sei, die nicht nur von der Wirtschaft komme, beispielsweise auch
von Umweltverbänden oder Bürgerinitiativen. Interessenvertretung sei eine Notwendigkeit und der Abgeordnete müsse sich Argumente anhören. Aber: "Er darf sich nicht kaufen lassen." Und so sei Transparenz wichtig, unter anderem dann, wenn Interessenkonflikte beim Politiker selbst vorliegen könnten. Den Anstoß zu dieser Veranstaltung hatte der Städtepartnerschaftsverein Butzbach gegeben, Vorsitzende Christine Borchers-Fanslau begrüßte und verabschiedete die Schüler. Neben der Stadt unterstützt das Bundesprogramm "Demokratie leben" den Vortrag ebenso wie die Butzbacher Volksbank, die dadurch dafür sorgten, dass die Schüler kein Eintrittsgeld zahlen mussten. Zu diesem "Wahlkompass für Erstwähler" waren Schüler der drei Butzbacher Schulen Weidig-Gymnasium, IGS Schrenzerschule und Stadtschule eingeladen. Die Schüler der neunten und zehnten Klassen behandeln das Thema der Bundestagswahl auch im Unterricht.

(c) by Butzbacher Zeitung, 01.09.2017

 

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