Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Projekt „Geschichte in Liedern" vermittelte neue Sichtweisen

Stephan Höfling nahm 115 Weidigschüler mit auf eine musikalische Zeitreise


 


BUTZBACH. Stephan Höning (Foto) mit der Jakobinermütze nahm gestern 115 Weidigschüler mit auf eine musikalische Zeitreise.

BUTZBACH (thg). Mit der Jakobinermütze trat Stephan Höning gestern Morgen in der Weidigschule auf die Bühne in der Mensa. Dass er damit ausssehe wie ein Mainzelmännchen, sei kein Zufall. Die "Mainzer Republik" war ein kurzes Intermezzo der Französischen Revolution außerhalb Frankreichs. Innerhalb von anderthalb Stunden nahm Höning die versammelten 115 Schüler der elften Jahrgangsstufe mit auf eine musikalische Zeitreise von 1793 bis zur Weimarer Republik - das, so genannte lange 19. Jahrhundert - und intonierte dazu jeweils zeitgenössische Lieder. "Geschichte in Liedern" heißt     das Projekt, das der Gymnasiallehrer aus Alzey als Hobby verfolgt.

Mit unterschiedlichen Repertoires zwischen Revolution und Wiedervereinigung, darunter auch Spezialthemen wie Lieder aus dem geteilten Deutschland, spricht er unterschiedliche Zuhörergruppen an. Bereits zum vierten Mal war er an der Weidigschule zu Gast, zum ersten Mal in diesem großen Rahmen. "Über die Lieder erhalten die Schüler einen emotionalen Zugang zur Geschichte", weiß der Historiker aus seiner Erfahrung. Die mitunter dichten Liedtexte seien intensiver als beispielsweise eine Beschreibung von historischen Situationen und Zusammenhängen im Schulunterricht. "Nachher gibt es immer viele Fragen im Unterricht", so der Pädagoge. Grundkenntnisse seien im Vorfeld der Veranstaltung aber hilfreich. Auf diese traf Höning in der Weidigschule, denn genau mit dem Themenkreis beschäftigte sich der Jahrgang in diesem Schuljahr, wie Lehrer Tobias Maschmann, Sprecher der Fachschaft Geschichte und Organisator der Veranstaltung, erläuterte: Höning verknüpft in seinem Programm die Lieder, die einzelne Zeitabschnitte thematisieren, mit erläuternden gesprochenen Worten. Er greift besonders eindrücklich Beispiele heraus, unter anderem das Deutschlandlied mit allen drei Strophen, das er als historische Quelle auch mit dem im Nationalsozialismus missbrauchten ersten Vers vorträgt. Er bettet dies in den geschichtlichen Kontext ein und verweist auf die Zeit des Vormärz, den Drang nach Freiheit und Demokratie. Gemeint war demzufolge die Einigkeit der Deutsch sprechenden Bevölkerung als Gemeinsamkeit im Blick auf andere Nationalstaaten. Ein imperialistisches Programm sei von Hoffmann von Fallersleben damit nicht formuliert worden. "Es ging um den Zusammenhalt, nicht um eine Drohung", so Höning. Gleichzeitig wies er aber darauf hin, dass etwa in der rechtsextremen Musikszene Freiheitslieder von damals durch Hinzudichten von Zeilen für andere Zwecke missbraucht würden.

Mit einer Auswahl an Instrumenten begleitet der Lehrer für Geschichte, Religion und Ethik die Lieder, sei es das an die Marseillaise erinnernde Freiheitslied der Mainzer Republik oder "Nun danket alle Gott", das Kirchenlied, das zeitweise auch zur vaterländischen Hymne uminterpretiert worden war. Er beherrscht Ukulele, Banjo, Harfe und Laute. Mit der Gitarre legte er den Grundstock, bezeichnet sich auch als Hobbymusiker. Dabei ist es nicht sein Anspruch, perfekt zu spielen und zu singen. Die Musik im 19. Jahrhundert sei für das Volk gemacht worden und sei auf den Straßen gesungen worden, mithin eine bestimmte Art von Alltagsmusik". Vom deutschen Michel bis zur Germania thematisierte Höning die Entwicklung der Demokratie in Deutschland und wählte damit Symbolfiguren aus. Der weinerliche Michel, dem es schlecht geht, steht dabei neben der in Statuen verewigten Germania, die auch für eine gewisse Aggressivität stehe. Seine unterschiedlichen Programme bietet Höning im Großraum rund um Alzey, hauptsächlich in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und dem nördlichen Baden-Württemberg an. Aber auch in Nordrhein-Westfalen und in Thüringen ist er schon aufgetreten. Meist wird er von seinem musikalischen Partner Joachim Seltmann begleitet. Maschmann unterstrich, dass in der Veranstaltung erstrangiges historisches Liedgut vorgestellt werde. Damit werde gezeigt, dass Geschichte nicht nur aus trockenen Quellen besteht. Die Schüler erhielten einen anderen Blickwinkel auf die historischen Entwicklungen. Es handele sich um einen kulturell hochwertigen Vortrag, der in einem größeren Rahmen auch für das Kulturprogramm der Stadt Butzbach geeignet sei. Informationen zum Programm gibt es unter www.Geschichte-in-Liedern.de.

(c) by Butzbacher Zeitung, 23.05.2017

 

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