Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Im Notfall kompetent handeln

MEDIZIN Erste-Hilfe-Kurs für Jahrgangsstufe elf der Weidigschule / "Selbstverständlichkeit, zu helfen"



BUTZBACH. 152 Weidigschüler der elften Klasse absolvierten einen Erste-Hilfe-Kurs mit Rotkreuz-Ausbildern.


BUTZBACH. Joachim Scholz vom Kreisverband Marburg-Gießen des Roten Kreu-
zes leitete die Schüler bei der Herzdruckmassage an.    Text + Fotos: thg

BUTZBACH (thg). Der Song "Staying alive" von den Bee Gees dürfte den meisten Schülern von heute nicht mehr geläufig sein. Aber im Erste-Hilfe-Kurs an der Weidigschule verhalf ihm Joachim Scholz vom Roten Kreuz, Kreisverband Marburg-Gießen, nun zu neuer Bekanntheit. Denn im Takt des 70erJahre-Disco-Hits soll die Herzdruckmassage erfolgen, 30 mal auf den Brustkorb drücken, dann zweimal beatmen.
152 Schüler der elften Jahrgangsstufe des Butzbacher Gymnasiums erfuhren in sechs Gruppen von Mitarbeitern der Rotkreuz-Kreisverbände Marburg-Gießen und Friedberg eine vollständige Erste-Hilfe-Schulung. Die Lehrer Annett Günther und Tobias Maschmann koordinieren das Angebot im Rahmen der Berufs- und Studienorientierung, die zusammen mit der Primärprävention und dem Sport-Fachbereich die Schüler auch in dieser Hinsicht auf das Berufsleben vorbereitet. Zur Primärprävention gehören an der Weidigschule diese Woche auch Informationen über Alkohol und Drogen, für diesen Bereich sind als Lehrerin Stephanie Riebeling und Sozialarbeiterin Heidi Nieslony zuständig. Scholz und seine Kollegen brachten unter anderem die Beatmungspuppe mit in die Schule. Er erklärte, was zu tun ist, wenn ein Schüler auf einen leblos daliegenden Menschen trifft, wie die Herzdruckmassage funktioniert und was dabei passiert, eben der Aufbau des Blutdrucks und das Wiedereinsetzen der Atmung. Im Beispiel-Fall machte er den Schülern Mut: "Ihr könnt nichts falsch machen. Der größte anzunehmende Unfall ist für diesen Menschen bereits eingetreten", sagte er. Wenn man zu mehreren ist, könne man sich abwechseln, ein weiterer könne den Notruf absetzen. Außerdem gebe es auch die Telefon-Reanimation, bei der die Leitstelle den Ersthelfer aus der Ferne anleitet. In Nordhessen habe so vor einiger Zeit ein Neunjähriger sein zwei Jahre altes Geschwisterkind reanimiert.
Hilfreich war es, dass einige Schüler bereits erfahren in Erster Hilfe sind. Einige haben bereits einen Kurs absolviert - beispielsweise für den Führerschein - und frischten ihr Wissen auf, wobei sie gleich im Kurs dem Ausbilder zur Hand gehen konnten. Andere haben sich schon in der AG als Schulsanitäter - in Kooperation mit den örtlichen Maltesern - erprobt und können kompetent helfen. Darin sieht Scholz den großen Vorteil an einem Unfallort. Gut ausgebildete Jugendliche könnten die Initiative ergreifen und damit auch die Bereitschaft bei anderen wecken, bei der Erstversorgung mitzuhelfen. "Untätigkeit würde bedeuten, etwas falsch zu machen", betonte er.
Daher plädierte der Rotkreuz-Vertreter auch dafür, früh mit dem Thema zu beginnen, denn ein Kind gehe noch unbefangen daran. Damit entstehe von Anfäng an eine Selbstverständlichkeit, im Notfall helfen zu können. Im Kindergarten sei es wichtig, den Kleinen den Notruf zu erklären. Darüber hinaus müssten sie aber auch verstehen, dass sie beispielsweise auch wissen müssen, wie die Oma mit Nachnamen heißt und wo sie wohnt, wenn das Unglück zu Hause passiert. In der Grundschule könnten Juniorhelfer ausgebildet werden, die dann auch Verbände anlegen können oder verstehen, wozu eine Wärmedecke dient. Zwei Juniorhelfer schaffen es auch gemeinsam, den Verunglückten in die stabile Seitenlage zu befördern.
Im mittlerweile sechsten Jahr besteht die Zusammenarbeit in den Kursen zu Beginn des Schuljahres. In diesem Jahr waren es 100 Teilnehmer, die zum ersten Mal dabei waren, rund 50 waren zur Auffrischung dabei. "Der Kurs ist wichtig für den Führerschein, aber auch für den Beruf", waren sich Scholz und Maschmann einig. Absolventen könnten beim Berufseinstieg als betrieblicher Ersthelfer fungieren. Gut ein halbes Dutzend Weidigschüler, die den Schulsanitätsdienst absolvierten, studierten später Medizin, mitunter zwischengeschaltet ein freiwilliges soziales Jahr im Rettungsdienst. "Sie sind im Beruf gern gesehen, können sie doch realistisch einschätzen, was sie im Alltag erwartet."

(c) by Butzbacher Zeitung, 06.09.2017

 

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