Die Butzbacher Zeitung schreibt über die Weidigschule Butzbach

Erstaunt über ehrenamtliche Hilfe

SOZIALPROJEKT 26 Schüler der Weidigschule und aus den USA besuchen Butzbacher Tafel



BUTZBACH. Die deutsch-amerikanische Gruppe machte sich gestern bei der Butzbacher Tafel ein Bild von deren Arbeit.    

BUTZBACH. Die Schüler legten Hand an beim Sortieren von Obst und Gemüse. 

BUTZBACH (thg). Kartons aus dem Transporter laden, Obst und Gemüse sortieren, Brötchen in Tüten verteilen. Ohne Berührungsängste packten gestern 26 Schüler des aktuellen deutsch-amerikanischen Austauschprogramms an der Weidigschule in den Räumen der Butzbacher Tafel im Degerfeld an. Im Rahmen des Sozialprojekts, das in den Austausch eingebettet ist, erhielten somit alle Schüler, auch die 13 aus den USA angereisten, einen Einblick in die Lebenswirklichkeit in Deutschland, wie die Weidigschullehrer Charlotte Battenberg und David Hester sowie Tafel-Vorstandsmitglied Wolfgang Effinger berichteten.
Jeden Dienstag und Donnerstag stellt die Butzbacher Tafel für rund 650 Kunden, die beispielsweise als Sozialhilfeempfänger berechtigt sind, Waren der Tafel entgegenzunehmen, Lebensmittel zusammen. Dabei wissen die rund 60 Helfer, die in Organisation, Fahrdienst, Verteilung und Austeilung tätig sind, morgens nicht, was sie am Tag aus den rund 20 Lebensmittelmärkten zwischen Langgöns und Bad Nauheim bekommen und wie viele Menschen zur Ausgabe wirklich kommen. Rund acht Tonnen Lebensmittel gehen bei der Tafel im Monat über den Tisch.
Unter den Kunden - denn die Inhalte der Körbe werden für zwei bis vier Euro verkauft - sind Single- und Zwei-Personen-Haushalte ebenso wie Familien. 240 Kinder sind darunter. Auch Flüchtlinge kommen zur Tafel, aber nicht nur als Empfänger. Fünf Frauen aus Syrien helfen im Team der Ehrenamtlichen, auch wenn sie kein Deutsch sprechen und die Verständigung per Englisch ebenfalls schwierig sei, so funktioniere die gemeinsame Arbeit doch sehr gut, unterstrich Effinger. Und die Tafel sucht weitere Helfer, denn der Altersdurchschnitt der Ehrenamtlichen sei doch recht hoch, da zumeist Rentner und Pensionäre mitwirken.
Im Rahmen des aktuellen Schüleraustausches war Effinger bereits in der Weidigschule, um die jungen Partner über das Thema Lebensmittel zu informieren. Besonders die Verschwendung im Kontrast .zur Armut stellte er dar. Ferner klärte er darüber auf, dass das Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht bedeutet, dass das Lebensmittel unbrauchbar geworden ist. Effinger warb für einen respektvollen Umgang mit Lebensmitteln.
Gestern im Tafelladen machten sich die Schüler ein Bild von den Waren, die nah am Mindesthaltbarkeitsdatum sind oder als Gemüse nicht mehr in den Frischeregalen der Supermärkte verkauft werden. "Wir würden nichts ausgeben, was wir nicht auch selbst essen würden", betonte Effinger. Alle eintreffenden Waren werden kontrolliert. Auf Hygiene und das Einhalten der Kühlkette wird streng geachtet, da sind die Regeln strikt wie sie auch für professionelle Unternehmen gelten. Mitunter erhält die Tafel auch Sonderposten wie Duschgel oder Kosmetikartikel, aber auch Getränke, die dann für einen geringen Preis ebenfalls an die Kunden abgegeben werden. Hinzu kommen Waren aus den Aktionen zugunsten der Tafeln, wenn etwa Supermärkte dazu aufrufen, lange haltbare Lebensmittel oder Konserven zu kaufen und der Einrichtung zu spenden.
Den amerikanischen Schülern sind Konzepte wie die Tafel auch aus ihrer Heimat bekannt. Dort gibt es so genannte Food Banks für Bedürftige. Die Weidigschüler lernten in Linden New Jersey bei ihren Partnern im Herbst eine solche Einrichtung der evangelischen Kirche kennen, die in kleinerem Umfang als die Butzbacher Tafel vor allem lange haltbare Lebensmittel wie Konserven ausgibt. Dort halfen die Schüler, Tüten zu packen. Erstaunlich an der Butzbacher Tafel fanden es die Schüler, wie viele Menschen sich ehrenamtlich für dieses Sozialprojekt engagieren.
Für die Schüler aus New Jersey neigt sich der Deutschland-Aufenthalt dem Ende zu. Am Wochenende heißt es Abschied zu nehmen von den Partnern in Butzbach. Das "Gapp"-Austauschprogramm mit der Linden High School wird an der Weidigschule im zweijährigen Turnus angeboten. Die Schüler besuchen die elfte Jahrgangsstufe.

Text + Foto: thg

 

(c) by Butzbacher Zeitung, 29.04.2016

 

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